Weingut Kerschbaum Blaufränkisch X 2015: Ein Wein-Abenteuer, das für sich spricht. Wirklich.

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Zahlt sich Geduld aus? Für sein bisher persönlichstes Projekt, die Sonderedition Blaufränkisch „X“, Jahrgang 2015, ließ der Winzer den Rotwein zehn Jahre reifen. Und reifte dabei gleich mit. Das Ergebnis: eine limitierte Auflage von 3.000 Flaschen, handbemalt – und ein Wein, der viel zu erzählen hat. Was der Kerschbaum Blaufränkisch X darf – aus seiner Perspektive.

Im Herzen des Mittelburgenlandes gelegen, zählt das Weingut Kerschbaum zu den Pionieren des österreichischen Blaufränkisch. Gegründet von Paul Kerschbaum Ende der 1980er Jahre mit nur drei Hektar, umfasst es heute rund 40 Hektar Rebfläche. Mit der Erkenntnis, dass Spitzenweine oft zu früh geöffnet werden, fasste Michael Kerschbaum bereits 2015 einen Entschluss. Sein Ziel: Einen Blaufränkisch in seiner vollendeten Reife für Genießer zugänglich machen. Auch wenn das ein Jahrzehnt dauert.


Konnte ja nur ein unFassbar spannendendes Abenteuer werden: der Blaufränkisch „X“ 2015, das bislang persönlichste Projekt von Michael Kerschbaum, verkörpert die Essenz von Geduld und Reife.

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Das Weingut Kerschbaum in Horitschon zeichnet sich seit der Gründung 1989 durch kompromisslose Qualität und die Leidenschaft für den Blaufränkisch aus.


Ein Wein, der zehn Jahre im Keller verbringt, hat entweder ein Geduldproblem – oder einen ziemlich guten Plan. Der Blaufränkisch X von Weingut Kerschbaum hatte: Letzteres. Seine Geschichte führt in die Dürrau, zu alten Reben, schweren Böden und einer Familie, die sich durchaus nicht immer einig war, wann der Wein denn nun endlich fertig sei. Timing als Adrenalinschub. Manchmal mehr Druck, als selbst Olli Kahn zu besten Zeit lieb war. Am Ende gings aber um mehr als Terminstress. Um Reife, Herkunft, Haltung, Mut zum Risiko und den richtigen Moment.


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Handwerk? Wird hier ernst genommen. Jede Flasche trägt das von Hand gemalte goldene „X“, das Symbol für die Zahl Zehn, für die Reifezeit und  – in meinen Augen – die Markierung auf Karten für Orte, an denen Schätze versteckt sind.


Herausgekommen ist ein Zeitreise-Wein-Abenteuer, das für sich spricht. Also lassen wir ihn einfach genau das mal machen – immer nur die Winzer-Seite interviewen, ist ja doch etwas einseitig, oder?



Ich war von Anfang an nicht für Eile gemacht. Habs mir gemütlich machen dürfen wie Balu der Bär. Ich bin 2015 geboren. Auf dem Papier. Aber meine Geschichte beginnt früher. Viel, viel früher. 

Dürrau, Horitschon. Eine schwere Lage. Viel Lehm, ungastlich. Nicht die unbedingt einfachste zu bewirtschaften. Wenn man damals einen Weingarten in der begehrten Lage Hochäcker kaufen wollte, musste man nicht selten ein Stück Dürrau mitnehmen. Ein erfolgversprechender Spielplatz für mich sah anders aus.  

Der Großvater von Michael hat trotzdem immer Ruhe bewahrt. Und stoisch immer wieder gesagt: „Wartet ab. Diese Lage wird einmal ihre Vorzüge zeigen.“

Er sollte recht behalten.


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Ein Wein, der zehn Jahre im Keller verbringt, hat entweder ein Geduldproblem – oder einen ziemlich guten Plan. Der Blaufränkisch X von Weingut Kerschbaum hatte: Letzteres. Und einen super classy Flaschen-Dresscode.


Mein Zuhause sind alte Blaufränkisch-Reben, Jahrgänge 1941 und 1962. Die ältesten Reben, die das Weingut Kerschbaum besitzt. Und genau aus diesem Weinberg wollte Michael etwas machen, das es so bisher noch nicht gab: den besten Blaufränkisch des Hauses. Nicht als Teil einer Cuvée, sondern als eigenständigen Wein.

Bis dahin waren die besten Trauben aus der Dürrau in die großen Cuvées des Weinguts geflossen. Jetzt sollte die Herkunft selbst im Mittelpunkt stehen.

Ich war also nicht einfach ein neuer Wein. Ich würde auch ein Stück Familiengeschichte entkorken. Und ja: Ich bin auch ein kleines bisschen die Antwort auf die Frage, was passiert, wenn man auf das jahrelang trainierte Bauchgefühl des Großvaters vertraut.


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Genau. Ich musste erwachsen werden. Am Anfang war ich ziemlich temperamentvoll. Viel Würze. Pfeffer. Säure. Tannin. Energie. Die Trauben waren kleinbeerig und locker, der Jahrgang 2015 hatte genau die Reife und Struktur, die Michael gesucht hatte. Nicht überreif, sondern physiologisch reif. Die Grundanlage war da.

Jetzt musste nur noch jemand Geduld haben. Beziehungsweise: An seiner Geduld arbeiten. 

Zunächst verbrachte ich 18 Monate in kleinen neuen Holzfässern. Danach weitere sechs Monate in einem 2.400-Liter-Fass. Das Holz sollte mich dabei nicht nach Vanille, Schokolade oder Kokos schmecken lassen. Es sollte mir Struktur geben. Kontur. Tiefe. Und vor allem die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln.

Michael hatte die Holzphilosophie des Weinguts inzwischen verändert. Weniger Toasting, weniger Wucht, mehr Herkunft. Er wollte nicht, dass man das Fass schmeckt. Ewollte, dass man mich schmeckt.

Und ich? Ich hatte Persönlichkeit. Viel. Auch einige Flausen im Kopf. Aber erwachsen? War ich noch lange nicht.


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Irgendwann war alles getan, was man im Keller tun konnte. Dann wurde es stiller um mich. Und ich nebenbei auch. Ich wurde abgefüllt und bekam eine neue Aufgabe: nichts tun. Zumindest sah es für Außenstehende sicher so aus.

In der Flasche hatte ich meinen eigenen Rhythmus. Nach der Abfüllung war ich zunächst gedämpft, fast ein bisschen zerknautscht. Verschloss mich. Schmollte. Kurz. Später öffnete ich mich wieder. Hab gelernt, dass das mehr Freude bereitet. 

Die Frucht trat zurück, Sekundäraromen kamen hinzu, die Würze wurde deutlicher, das Tannin begann sich einzubinden.

Michael lernte in dieser Zeit etwas, das man im Weinmachen nicht aus Büchern lernt: Vertrauen. Nicht jede Flasche muss ständig kontrolliert werden. Nicht jede Entwicklung braucht einen Eingriff.

Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass der Wein seinen eigenen Rhythmus hat.

Und der tickt langsamer als der Mensch.


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Wir waren uns nicht immer einig. Was die Sache nicht unbedingt einfacher machte. Michaels Vater fand irgendwann, ich sei perfekt. Michael sah das anders. Für seinen Vater war ich fruchtig, kraftvoll, schön. Ein Wein, den man verkaufen konnte.

Michael sagte: noch nicht. Setzte sich durch.  Also blieb ich liegen.

Das war wahrscheinlich einer der ersten Momente, in denen sich zeigte, worum es bei mir eigentlich ging.

Nicht darum, möglichst schnell gut zu sein. Nicht möglichst schnell in den Verkauf zu kommen. Sondern darum, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Sein Vater hatte Michael seit der Übernahme des Weinguts 2011 komplett freie Hand gelassen. Auch bei mir. Wenn Michael sagte, ich sei noch nicht bereit, wurde nicht verkauft. Punkt.  Obwohl inzwischen schon mehrere Jahrgänge Wein im Keller lagen, die ebenfalls hätten verkauft werden können.

Das muss man erst einmal aushalten.


Timing als Adrenalinschub. Manchmal mehr Druck, als selbst Olli Kahn zu besten Zeit lieb war. Am Ende gings aber um mehr als Terminstress. Um Reife, Herkunft, Haltung, Mut zum Risiko und den richtigen Moment.


Nach rund sechs Jahren Flaschenreife war ich wieder an einem Punkt, an dem Michael dachte: Jetzt wird’s interessant. Die Tannine waren feiner geworden. Die Frucht hatte sich verändert. Die Würze war stärker geworden. Vielleicht hätte man mich damals schon auf den Markt bringen können.

Aber Michael: wollte mehr.

Und irgendwann wurde aus diesem „noch ein bisschen“ eine ziemlich große Entscheidung. Nach rund achteinhalb Jahren stand fest: Mietvertrag verlängert. Ich bleibe zehn Jahre.

Nicht, weil zehn Jahre von Anfang an der Plan gewesen wären, sondern weil Michael nach all den Jahren wusste, dass ich sie vertragen konnte. Vielleicht sogar: brauchte.

Klar. Ich musste herausfinden, wer ich bin. Aber das war nicht nur meine Aufgabe. Michael sagt selbst: „Ein Wein ist immer auch ein Abbild des Menschen, der ihn macht.“

Laute Menschen machen eher laute Weine. Michael ist eher ruhig. Zurückhaltend. Tiefgründig. Und irgendwann musste auch er lernen, nicht jedem gefallen zu müssen.

Als er das Weingut übernahm, wollte er vieles weiterentwickeln, neue Wege gehen. Ausprobieren. Rosé. Sekt. Weißwein. Neue Stilrichtungen.

Auch das gehört zu seiner Geschichte: herauszufinden, was seine Handschrift wirklich ist. Und das geht nur über ausprobieren.

Bei mir konnte er das besonders deutlich tun.

Ich musste nicht allen gefallen. Ich sollte nur zeigen, was in mir steckt. Ja, vielleicht ist das genau die Reifung. Nicht bemüht extrovertierter zu werden. Sondern sicherer. Selbstbewusster. 

Nach achteinhalb Jahren war der Moment da. Michael wusste: Jetzt passt es.

Keine Chance. Ehrenrunde. Trotzdem wartete er noch ein Jahr.

Nicht, weil er plötzlich wieder unsicher war. Sondern weil zehn Jahre inzwischen mehr bedeuteten als eine Zahl. Sie standen für einen Zeitpunkt. Und aus dem Zeitpunkt wurde mein Name.


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Mit dem X wollte Michael Kerschbaum zeigen, wie großartig Blaufränkisch sein kann, wenn man ihn lässt. Und am Ende steht ein Wein mit Persönlichkeits-Entwicklung. Oder: einem ganz eigenen Style.


Die römische Zehn. Mein Alter wurde zu meiner Identität.

Cooler Gedanke. Gold trage ich ja auch. Seitdem ist die Idee klar: Jeder Jahrgang des X soll zehn Jahre nach seiner Ernte auf den Markt kommen. Ich bin also kein Wein, der zehn Jahre lagert, weil man das eben so macht. Ich bin ein Wein, bei dem erst nach zehn Jahren entschieden wird, dass er jetzt etwas zu sagen hat.


Aus der Mathematik kenn ich: Gleichung nach X auflösen. Beim Weingut Kerschbaum Blaufränkisch „X“ ist die Lösung einfach: Wahre Größe braucht Zeit – und wird am schönsten, wenn man sie teilt.

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Eigentlich war das ganz einfach. Eine Flasche mit mir drin nehmen. Ein goldenes X darauf malen. Kurze Pinsel-Massage. Fertig.

Hat beim ersten Mal hervorragend funktioniert. Bei 3.000 Flaschen wurde die Sache etwas komplexer.

Kapsel ab. Flasche reinigen. Rückenetikett. Neue Kapsel. Kerschbaum-Schriftzug von Hand. Goldenes X von Hand. Karton falten. Einsetzen. Verpacken. Alles 3.000 Mal. Aber: Michael ist bis heute überzeugt von der Idee. Und seine Frau und sogar Tochter haben dabei schon geholfen.

Nach der Ernte wird also nicht nur Wein gemacht. Dann wird mit Fingerspitzengefühl gemalt. Fast meditativ.

Auf jeden Fall nicht mehr der Wein, der ich 2015 war. Die Würze ist noch da. Die Kraft auch. Aber ich muss sie nicht mehr prahlend zur Schau stellen. Ich bin ruhiger geworden. Selbstbewusster. Tiefer. Hab ein gutes Fundament und meinen festen Platz gefunden. Vielleicht ist das die schönste Form von Reife: nicht jemand anderes geworden zu sein, sondern immer deutlicher man selbst.

Und ja: Vielleicht gilt das nicht nur für mich.

Denn in diesen zehn Jahren hat auch Michael gelernt, seinem Gefühl zu vertrauen. Aufs Bauchgefühl zu hören wie der Opa. Seine eigene Handschrift zuzulassen. Nicht jedem gefallen zu wollen. Und einen Wein dann freizugeben, wenn er für ihn richtig ist – nicht wenn der Markt es erwartet. Oder der Opa.

Am Anfang hatte ich Potenzial. Heute: Persönlichkeit. Und ein bisschen fühle ich mich wie ein verbindendes Kapitel Familiengeschichte.

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum zehn Jahre genau richtig waren.


Neues Jahr, neue Geduldsprobe? Der Kerschbaum Blaufränkisch X 2015 ist mittlerweile ausverkauft. Aber: Michael Kerschbaum setzt sein Herzensprojekt übrigens fort. Nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr erscheint am 1. Oktober 2026 die zweite Edition des zehn Jahre gereiften Blaufränkisch „X“. Diesmal kommt der Jahrgang 2016 in 3.000 handbemalten und nummerierten Flaschen limitierten Auflage auf den Markt. Preis: 119 Euro. Mehr Infos dazu unter kerschbaum.at



Ich persönlich lass mir ja gerne bei solch Ausnahme-Weinen im Winzer-Reisebüro erstmal vorab alle Infos und Hintergründe dazu geben: Damit ich weiß, nach was ich die Augen offen halte – und ich die Idee dahinter verstehe, bevor das Abenteuer losgeht. Zehn Jahre lasse ich mir damit nicht Zeit, so viel sei verraten. So viel Geduld wie Michael hab ich nicht. Aber wenn jemand so eine lange Reise hinter sich hat, möchte ich mir das auch in einem würdigen Setting anhören, anschauen, entdecken, erleben – genießen.

Daher: stay tuned! In Kürze dann im zweiten Teil des Posts mein ehrlicher Reisebericht aus dem Glas.


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