Teil 2: diese Wein-Geheimtipps muss man 2021 probieren

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Meine Interpretation von guten Vorsätzen? Diese Wein-Geheimtipps testen. Von Weißwein über Rotwein bis Sekt: fair bezahlbare und spannende Obstsalate von coolen Winzern von aus Deutschland, Italien oder den USA – Teil 2 der Wein-Geheimtipps, die man 2021 probieren sollte.



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Wie wir nächstes Jahr verreisen können und dürfen, steht noch in den Sternen. Sicher ist für mich, dass das Glas (Klick: die coolsten Weingläser der Welt) immer halbvoll sein sollte. Und deshalb liegt doch nichts näher, als das Fernweh zu kurieren und sich kleine Genusswanderungen nach Hause zu holen. Als Flaschenpost. Daher hab ich mal eine persönliche Weinkaufslisten Bucketlist zusammengestellt, mit Weinen, die mich persönlich begeistert haben, und die ich weinfreudigst empfehlen kann, im kommenden Jahr mal zu probieren – als Single, mit Freunden oder beim späten Kuchen mit der Oma. Also: Geschmacks-Koffer packen, wir reisen quer durch Deutschland, die Toskana, besuchen Argentinien oder die USA, entdecken tolle Weißweine, Rotweine und ja auch hochwertigen Sekt. Alles mit fairem Preis-/Leistungsverhältnis, vom easy entry Spaßmacher für den Buddyabend bis zum edlen Holzfaß-Obstsalat für ganz besondere Momente.

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Wein-Geheimtipp 13:

2019 SIDDÙRA Spèra DOCG (Sardinien)

Reif für die Insel? Mit dem Weißwein hier gibt’s Glasweise Gönnung straight outta Sardinien eingekippt. Siddùra liegt im Herz der Gallura, und dieser Wein entführt mit sanfter Hand und viel Herz in die Region nordwestlich der Costa Smeralda. In nur wenigen Jahren hat sich das Weingut Siddura an die Spitze Sardiniens vorgearbeitet, ist dabei aber immer am Boden geblieben. Und der gibt den Obstsalaten von der Insel – wie dem Spèra – so richtig viel Stil und Laune mit. Die Böden der Weinberge von Siddùra bestehen aus einer Mischung von Granit, Sand und Lehm. Ihre lockere und trockene Beschaffenheit bietet ideale Bedingungen für den Weinbau, da die Reben “Hunger und Durst erleiden” und dadurch die besten Resultate hervorbringen. Mir gefällt bei diesem Weingut zum einen die Gestaltung der sehr cleanen aber eleganten Etiketten, zum anderen die so coole wie informative Aufmachung der Website, die auch über Videos viel zum Produzenten der Wein-Geheimtipps erzählt.


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Macht gerne ein Fass für Gute-Laune-Weine auf: Siddùra Gutsdirektor Massimo Ruggero


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Dresscode: charakterstark zurückhaltend anziehend. Der Siddùra Spèra ist der Reif-für-die-Insel-Macher unter den Wein-Geheimtipps.


Der Spèra (übersetzt „Lichtstrahl“) ist ein reinsortiger Vermentino. Also mit trockenem Humor und intensiver Fruchtigkeit, die sich verhält wie ein italienischer Strandflirt: macht Lust auf mehr. Und Meer. Wie? Mit ganz feinen Zungen-Soundtrack-Aromen von tropischen Früchten und einer leichten Note von Bittermandeln. Die Meeresnähe, das mediterrane Klima, sowie der granithaltige Boden prägen den elegant-unaufgeregten Charakter des Spèra. Eiskalt serviert ist der zuvorkommend-frisch, dann kernig-geradlinig und ein kleines bisschen cremig, als ob ihr über entspannte Wellen vor der Küste surft. Macht gute Laune, ohne sich zu ernst zu nehmen. Macht auf jeden Fall ein Date aus!

2019 SIDDÙRA Spèra DOCG, Preis: rund 14 Euro, etwa über www.brogsitter.de/siddura-spera-docg


Wein-Geheimtipp 14:

Ihringer Grauburgunder, Weingut Dr. Heger (Deutschland)

Für diesen Wein-Tipp, den man 2021 probieren sollte, geht die Reise ganz in den südwestlichsten Zipfel Deutschlands. Nur ein winziger Fleck auf der Landkarte, doch für (einsteigende) Weinliebhaber ein Ort mit großer Anziehungskraft: Ihringen am Kaiserstuhl. Hier findet ihr das Weingut Dr. Heger, Mitglied im Verband deutscher Prädikatsweingüter, und nicht nur am Kaiserstuhl ein Synonym für große Weine. Joachim Heger führt es heute zusammen mit seiner Frau Silvia. Und beide achten darauf, dass diese großen Weine auch nahbar und für Einsteiger und Neugierige zugänglich als auch bezahlbar sind.


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© Weingut Dr. Heger

Untrennbar ist der Name der Winzer von Dr. Heger mit dem Ihringer Winklerberg, eine der weltweit berühmtesten Lagen überhaupt, und dem Achkarrer Schlossberg verbunden. Extrem steil, extrem heiß und extrem steinig bieten sie optimale Voraussetzungen für die Erzeugung von ausdrucksstarken Terroirweinen der Sorten Spätburgunder, Grauburgunder, Weissburgunder und Riesling aber auch Silvaner, Chardonnay und Muskateller. Modernste Erkenntnisse in Bezug auf Ökologie und Pflanzenpflege, Einsaaten und organische Düngung machen es dem Team hinter den Gute-Laune-Weinen vom Kaiserstuhl möglich das Terroir noch besser zum Ausdruck zu bringen. Vor allen Dingen gelingt es uns aber dadurch, unser kostbarstes Gut, das Ökosystem Weinberg, auch für kommende Generationen nicht nur zu erhalten, sondern auch beständig zu optimieren.

Joachim Heger hat sich in den letzten Jahren verstärkt mit seiner Ausnahmelage „Ihringer Winklerberg“ auseinandergesetzt, sie genauestens analysiert und Schritt für Schritt differenziert in welcher Parzelle welche Sorte zu einem Großen Gewächs oder Ersten Gewächs heranwächst. VDP.ORTSWEINE mit der Aufschrift Dr. Heger hat man aber bisher vergebens gesucht. Bis jetzt. Einige Lagen, die noch zu jung waren, haben jetzt das richtige Alter und somit das Potenzial für einen Ortswein erreicht. Einer dieser Wein-Geheimtipps davon ist der Ihringer Grauburgunder, der gerade so viel kostet wie ein Burger in München, aber deutlich länger Freude macht und mehr Menschen gleichzeitig happy.


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Dresscode: Traube dich was! Der Grauburgunder ist classy, elegant aber auch der aufmunternde Freund der Wein-Geheimtipps für alle Lebenslagen.


Für mich riecht der Grauburgunder ganz leicht nach Gletscherbonbons. Ein guter Einstieg, und der wird noch besser. Denn bereits nach dem ersten Schluck weiß man bei diesem Weißwein: Ich bin verknallt, ich will mehr, das wird ein Abend (oder Tag, wann immer ihr den trinken möchtet), der ganz viel Laune bereitet und etwaige Sorgen aufs Abstellgleis schiebt. Der Grauburgunder ist saftig, cremig, aber ohne zu cheesy zu sein. Kein Verstellen, keine Möchtegern-Vibes. Ein geschmeidiger Entertainer, der mit den Aromen von vollreifen Birnen, Kompott von Golden-Delicious-Äpfeln, ein paar Gewürzen und besagtem Gletscherbonbon-Flavour so lange kitzelt, bis man aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt. Ein Date mit Tiefgang, das es aber nicht zu kompliziert macht und sich auf beste Wein-Unterhaltung besinnt – und zwingend eine Fortsetzung verlangt.  

Ihringer Grauburgunder VDP Ortswein, Weingut Dr. Heger, Preis: rund 15 Euro, über www.heger-weine.de

Wein-Geheimtipp 15:

Luogotenente, Weingut Graf Toggenburg (Italien)


Kommt nicht so oft vor, aber in dem Fall muss ich sagen: Ich habe einen Schluck von diesem Rotwein getrunken, und noch währenddessen war klar – das wird eine langfristige Beziehung. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr einen tollen Anzug oder eine schöne Hose seht, und es passt bei der Anprobe nicht nur sofort, sondern man spürt beim Tragen sofort diesen besonderen Elan, das Gefühl, sich ein Stück wohler zu fühlen. Man lächelt leise. So gings mir mit dem Luogotenente, den Wein-Schneider Eberhard Graf Toggenburg heute auf dem Weingut Poggio Rozzi, inmitten des Chianti-Gebietes der Toskana, produziert. Einer von fünf toskanischen Weinen. Jeder einzelne trägt dabei ein Stück Familiengeschichte in die Welt und ehrt die starken Persönlichkeiten, die dahinterstehen. Die royale Wein-Verwöhnung (zum sehr fairen Preis, aber dazu kommen wir später) macht schon das sehr erlesene Etikett, das sehr classy aber nicht kitschig daherkommt, erahnen.


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© Graf Toggenburg

Für diesen Rotwein hat Graf von Toggenburg den Gewürzstreuer mit Mut in den Keller gebracht und zum Rebsorten-Duett Fogliatonda und Sangiovese den Trentiner Teroldego in den Recall gerufen. Die Liebe zu autochthonen Sorten geht auf. Die Trauben dieses Wein-Geheimtipps kommen aus den drei Weinbergen Vigna del Cimitero, Vigna del Poggio und Vigna del Poggino. Die Böden dieser Hügellagen sind reichhaltig und somit eine hervorragende Grundlage für vollmundige, runde Weine – perfekt also für Weinsteiger, die bei Rotweinen nicht gerne komplett mit schwermütigkeit überrumpelt werden möchten. Die magische Zahl beim Ausbau ist die Sechs: Nach sechs Monaten in Holzfässern wird der Wein zur Harmonisierung weitere sechs Monate in Stahltanks ausgebaut und genießt nach der Abfüllung noch einmal sechs Monate Flaschenreife.


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Auf allen Ebenen perfekt durchgemustert: der Luogotenente von Graf Toggenburg ist Rotwein-Verliebung, die nachhaltig in Erinnerung bleibt.


„Luogotenente“ steht dabei für einen kaiserlichen und königlichen Statthalter, wie es Georg Otto Ritter von Toggenburg, der Ururgroßvater von Eberhard Graf Toggenburg, bereits vor 170 Jahren mit Charakter und Weitblick interpretiert hat. Zurückhaltende Eleganz soll der Wein laut dem Winzer verkörpern, und genau so kann ich es unterschreiben. Beim Trinken hab ich irgendwie Giorgio Armani im Kopf, der im Maserati durch die Toskana cruist. Typisch dezent, All Black Look, einfarbiges, simples Tshirt, alles elegant justiert, die Power da, wo sie benötigt wird, auf der Playlist der Soundtrack der dunklen Beeren-Bande. So fließend-geschmeidig ist auch dieser Rotwein, der eine feine Würze mitbringt, die wie ein sanfter Ohrwurm konstant mit auf Reise geht. Am markantesten ist aber die schöne Säure, die sich hinten am Backenzahn festschnallt und animierend in jede Kurve mitgeht und Lust auf den nächsten Schluck macht – egal, was da kommt, Hauptsache hinter der nächsten Gedanken-Abzweigung wartet eine zweite Flasche.  

Luogotenente Poggio Rozzi Rotwein, Weingut Graf Toggenburg, Preis: rund 28 Euro, etwa über www.toggenburg.it



Wein-Geheimtipp 16:

Riesling Gutswein, Weingut Prinz von Hessen (Deutschland)

Ein Weingut, über das ich leider erst vor kurzem (aber zum Glück rechtzeitig für mich) gestoßen bin, ist das Weingut Prinz von Hessen in Geisenheim-Johannisberg im Rheingau. Optisch war die Gestaltung der Etiketten Liebe auf den ersten Blick, ich durfte einige Weine (auch unter Anleitung von Weingutsdirektorin Bärbel Weinert (Bild, links) probieren – dann kam Verliebung in die inneren Werte der Abfüllungen dazu. Und die Beziehung (nicht nur) zu den Rieslingen wird eine feste und langfristige werden.



Der Rheingau-Betrieb entstand 1957 und hat bis heute einen unverwechselbaren Riesling-Stil entwickelt: klar, rein, lebendig. Die Umwelt freut sich zudem über nachhaltiges Wirtschaften, beginnend beim naturnahen Weinbau bis hin zur eigenen Photovoltaikanlage, die Dreiviertel des Energiebedarfs. Bereits im Weinberg legt man den Grundstein für eine hohe Weinqualität. Auf den 33 Hektar Anbaufläche werden die Erträge konsequent reduziert. Die Trauben gewinnen so an Extrakt. Durch selektive Handlese gelangt nur das beste Lesegut in den Keller. Schonend gepresst und gekühlt vergoren wird jeder Wein individuell ausgebaut. In der Regel lagern die Weißweine in Edelstahltanks, teilweise mehrere Monate auf der Hefe. Die Rotweine hingegen erhalten auf dem Weingut, das von Landgraf Moritz von Hessen und seinem Sohn Prinz Donatus geführt wird, ihre Abrundung im Barrique oder im traditionellen 1200-Liter-Holzfass. Und dieses Kuratieren schmeckt man auch, denn irgendwie darf jeder Wein, den ich probieren durfte, seinen eigenen Charakter an die Luft lassen.

Für Einsteiger ist zum Beispiel der Gutswein Riesling ein gutes Ticket zum Aromen-Spielplatz von Prinz von Hessen, wie Weingutsdirektorin Bärbel Weinert (Bild, links) mir erklärt hat. Für den Weißwein würde auch Dornröschen ihren Schlaf beenden und sich von Glas zu Glas küssen – ist jetzt meine Meinung. Das Markenzeichen des Weingutes Prinz von Hessen ist das Wappen von Heinrich I., der rot-weiß gestreifte Löwe. Es ist ebenfalls das Wappen des Landes Hessen und findet sich in modernes Design übersetzt auf den Flaschen wieder. Dabei ist das Etikett dieses Wein-Geheimtipps deutlich klassischer gestaltet als das des Dachsfilet, den ich euch noch vorstelle, aber lässt zugleich erkennen, dass hier Tradition ausgeschenkt wird, die zielstrebig-charmant in die Gegenwart übersetzt wurde.


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Cozy, fluffy, fancy: Mit dem Riesling kann man sich super entspannt gemeinsam (w)einkuscheln.


Klar, frisch, geschmeidig: Der Gutswein Riesling repräsentiert seine Hood Rheingau mit Street und Weinberg Credibility, bleibt dabei aber immer ganz nahbar und einladend. Der Gutswein ist wie eine Tropicana-Party am Rhein, die aber die Dezibelzahl einhält, nicht Laut auf den Putz haut, sondern lieber leise-verführerisch mit gelben Pflaumen, grünem Apfel, etwas Quitte und dezenter Zitronenmelisse um die Geschmacksecke kommt. Nicht zu säurig, nicht zu herb: Damit lass ich mich gern von Januar bis Dezember berieslingen.

Riesling Gutswein, Weingut Prinz von Hessen, Preis: rund 10 Euro, über www.vinothek-prinz-von-hessen.de


Wein-Geheimtipp 17:

Riesling Dachsfilet, Weingut Prinz von Hessen (Deutschland)

Das Weingut Prinz von Hessen hatte ich euch ja bereits gestern vorgestellt. Es ist eines der berühmtesten Hersteller von Riesling und seit Beginn des Bestehens Mitglied im VDP, dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Den Riesling-Soundtrack aus dem Rheingau sollte man sich also unbedingt mal auf der Zunge zergehen lassen.



Das man sich beim Riesling Dachsfilet in eine mitreißende und vielschichtige Wein-Story trinkt, spürt man schon beim Etikett. Ich feiers einfach total, und die fühlbare Schriftzug-Prägung macht die Vorfreude noch größer. Eines vorweg: Das ist ein Weisswein, auf den man sich einlassen muss, bei dem man Lust aufs Entdecken haben sollte. Zeit nehmen, Smartphone zur Seite, am besten mit jemandem, der die Wein-Macke teilt – Vater, Mutter, beste Freunde – zu Gemüte führen. Denn die unterschiedlichen Charakterzüge kommen erst nach und nach raus, mit jedem Schluck lernt man sich besser kennen, versteht sich besser.  


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Pure Etiketten-Liebe bei den Wein-Geheimtipps: Der feine Dachs ist kein Sprinter, sondern eine Genusswanderung, bei der alle ins Gute-Laune-Ziel kommen.


Die Lage Dachsberg hat sich durch die Klimaveränderung der vergangenen Jahre hervorragend entwickelt. Auf 180 Meter Seehöhe gelegen, ist Dachsberg die höchste, steilste und windigste Lage des Weingutes. Der steinige Boden zwingt die Reben, tief zu wurzeln, was den Weinen eine mineralische Stilistik verleiht. Mich erinnert der Riesling mit der ganz feinen Säure irgendwie an Alice im Wunderland, nur dass euch ein weißer Dachs mit Wein-Picknickkorb abholt, in den Dachsbau einlädt, man sich in einem bunten Phantasie-Obstkorb durch cremig-saftige Wellen von Apfel, Birne, Pfirsich, Aprikose und Trockenobst badet, bevor man aufwacht und der Grinsekatze Konkurrenz macht. Das mag sich dem ein oder anderen vielleicht auch erst bei der zweiten Flasche dieses Wein-Geheimtipps erschließen, das ist aber a) für alle Beteiligten von Vorteil und b) hat man sicher was zu erzählen. Nur bitte keinen Roman draus machen, der Wein möchte am liebsten einfach getrunken werden.

Riesling Dachsfilet, Weingut Prinz von Hessen, Preis: 22,50 Euro, über www.vinothek-prinz-von-hessen.de


Wein-Geheimtipp 18:

Cuvée Terlaner, Cantina Terlan (Südtirol)

Dass ich mich in Südtirol verknallt habe, ist ja kein Geheimnis mehr, und die Reise-Erlebnisse dieses Jahr in die Vinum Hotels wie den Ansitz Plantitscherhof (Klick: hier geht’s zum Hotelbericht), dem Plattenhof (Klick: hier geht’s zum Hotelbericht), oder dem Matillhof (Klick: hier geht’s zum Hotelbericht) haben das Fernweh und Lust auf Fortsetzung nächstes Jahr schon geweckt. Deswegen musste auch unbedingt ein Südtiroler Wein auf die Liste mit Wein-Geheimtipps, die man 2021 unbedingt probieren sollte. Und die Cuvée Terlaner von der Cantina Terlan ist ein Fest für alle, die erfrischend-verführerische Weißweine mögen.  


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Die Heimat Terlans, Südtirol, ist ein Schmelztiegel von Gegensätzen, die zu einem harmonischen Ganzen wachsen: Inmitten dieser nördlichsten Provinz Italiens verschmelzen alpine Gipfel mit mediterraner Landschaft. Auf etwa halber Strecke zwischen den Städten Meran und Bozen, befindet sich das Weindorf Terlan. Das breite Etschtal verläuft hier in süd-östlicher Richtung, Dorf und Weinberge schmiegen sich an die roten Porphyrfelsen des Tschöggelberges auf der ortographisch linken Talseite. Im Jahre 1893 gegründet, zählt die Cantina oder Kellerei Terlan heute zu den führenden Winzergenossenschaften in Südtirol. Ihr gehören aktuell 143 Mitglieder an, mit einer Anbaufläche von 190 Hektar. In dem modernen Betrieb reifen 30 Prozent Rot- und 70 Prozent Weißweine, die allesamt die D.O.C.-Bezeichnung (kontrollierte Ursprungsbezeichnung) tragen.


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Wie hypnotisierend kann Weißwein sein? Lasst euch einfach mal von der Cuvée Terlaner der Kellerei Terlan aus Südtirol in den Bann ziehen!


Die Komposition aus den drei traditionellsten Terlaner Weißweinsorten Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon Blanc ist ein vielschichtig-verführerisches Wein-Erlebnis, das sowohl erfrischt als auch hypnotisiert. Weißburgunder, der den Hauptanteil bildet, sorgt für Frische und ein gutes Säuregerüst, Chardonnay für Weichheit und Wärme während Sauvignon die Cuvée durch seine feine Aromatik ergänzt. Der Terlaner schmeckt wie der Moment, bei Sonnenschein in den Außenpool mit Blick auf die Südtiroler Berge einzutauchen, allen Stress auszublenden, die Zeit zu vergessen, im Wissen, dass es in Kürze ein umwerfendes Drei-Gänge-Menü samt lokaler Weinbegleitung gibt. Ein Abschaltwein als Glas-Reise nach Südtirol, auf dem Beifahrersitz und der Rückbank hauchen euch frische grüne Äpfel, Pfirsich, Zitronenmelisse und eine Eimerladung Mineralik Küsse zu. Macht Laune, bleibt in Erinnerung – und ist noch absolut fair bezahlbar. Achtung: Verliebungs-Gefahr!

Cuvée Terlaner Alto Adige DOCG, Cantina Terlan, Preis: rund 14 Euro, etwa über www.hawesko.de/terlaner


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Wein-Geheimtipp 19:

Tenuta Luce, Lucente 2018 (Italien)


Guter Wein, das bedeutet für mich auch das (Wieder-nach)erleben von tollen Momenten. Nachhaltig beeindruckend war das Tasting des Luce Rotweins von der Tenuta Luce. Ein Italiener mit einer Ablöse für kurz vor dreistellig, Gerüchten zufolge einer von George Clooneys Lieblingsweinen und sowas wie der Landesmeisterpokal. Für Einsteiger gibt es aber zum Glück ein nahbareres Ticket zum Luce-Reben-Spielplatz: den Lucente, quasi der jüngere Bruder der Lichtgestalt.



Auf der Trainerbank: Lamberto Frescobaldi. Ihm fällt die Aufgabe zu, das im Jahre 1995 aus einem Traum zweier Spielgestalter der internationalen Weinbaugeschichte, Vittorio Frescobaldi aus Florenz und Robert Mondavi aus Napa Valley/Kalifornien, gleich neben Castelgiocondo gelegene Weingut Luce della Vite mit önologischem Geschick erfolgreich in die weitere Zukunft zu führen. Die Tenuta Luce ist mit 350 bis 420 Höhenmetern eines der am höchsten gelegenen Weingüter Montalcinos. Es umfasst 192 Hektar Land, von dem 77 Hektar mit Reben bestanden ist.

Der Durchschnittsertrag der Tenuta Luce wird mit rund 30 Hektoliter Wein pro Hektar sehr niedrig gehalten, um den Charakter der Rebsorten zu stärken und das Terroir zur vollen Entfaltung kommen zu lassen. Die Sorten werden separat gelesen und erst gegen Ende November nach vollendeter Gärung zusammengeführt. Lucente bedeutet leuchtend, strahlend, das Symbol der Sonne mit den zwölf züngelnden Flammenstrahlen befindet sich in der Toskana vielerorts an Fassaden und Torbögen. Kein Wunder, das die Familie Frescobaldi den Namen Luce für ein weiteres Weingut in Montalcino verwendet. Das Licht lässt die Reben wachsen und verleiht dem Wein seine Kraft. Eine spielfreudige Assemblage aus den Rebsorten Merlot und Sangiovese. Im Gegensatz zum Luce wird beim Lucente ein höherer Anteil von Merlot im Vergleich zum Sangiovese auf den Platz gebracht – schon etwas ungewöhnlich für die Region, wie Önologe Alessandro Marini mir beim gemeinsamen digitalen Tasting verrät, aber eine Taktik, die sich auszahlt.


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Alle Genusswanderwege führen zur Sonne, besser: dem Lucente.


Für die Liste mit Wein-Geheimtipps, die man 2021 probieren sollte, ist dieser Rotwein so gesetzt wie Andrea Pirlo im Gentleman-Club. Die Cuvée ist sozusagen das Eintritts-Ticket in die Aromen-Erlebnisse made by Tenuta Luce. Und was bringt der Lucente auf den Platz? Unter Flutlicht-Stimmung treffen sich Pflaumen, schwarzen Kirschen, Cassis und Balsamico-Noten, der Einlauf samtig, die Spannung dicht, aber der Spielverlauf forsch-flüssig. Die roten Früchte kicken sich mit Röstnoten die Bälle hin und her, saftig, aber elegant, und gefühlt hat jeder Schluck eine sehr dynamische Energie. Man möchte das Trinkspiel verzögern, damit man auch alles mitnimmt, aber am Ende kann ich nur einen Wunsch äußern: Verlängerung, bitte!

Lucente 2018, Tenuta Luce, Preis: rund 28 Euro, etwa über www.bremer-weinkolleg.de/TENUTA-LUCE


Wein-Geheimtipp 20:

LE VOLTE DELL’ORNELLAIA 2018, Ornellaia (Toskana, Italien)

Einmal in diesem Hotel übernachten, einmal dieses Traumauto fahren, einmal einen Maßanzug von diesem Schneider besitzen – einmal für diesen Verein spielen: Die Tenuta dell’Ornellaia steht für das Besondere, ist ein Bucket-List-Goal für viele Menschen mit Wein-Macke, zählt zu den berühmtesten Weingütern der Welt, sozusagen Reben-Champions-League. Viele Weine des malerisch in Bolgheri gelegenen toskanischen Winzerbetriebs gelten als sichere Geldanlage. Aber da würde ich dann nicht mehr mitspielen, die Obstsalate gehören auf den Platz, wollen doch getrunken und erlebt werden.

Die Weinberge des Ausnahme-Familienbetriebs erstrecken sich teils entlang der Via Bolgherese und in Bellaria, im Nordwesten von Bolgheri. Die Kellerei setzt in ihren Parzellen auf klassische Bordeaux-Sorten. Abhängig von der Unterzone sind die Böden durch alluvialen, vulkanischen oder marinen Ursprung geprägt. Die Meeresnähe und der Schutz durch die benachbarten Hügel begünstigen ein Mikroklima, in dem die Trauben perfekt reifen können. Sanfte Meeresbrisen mildern die Sommerhitze, im Winter schützen die Hügel vor eisigen Winden. Fehlt eigentlich nur noch ein Coach, der alle Einzelspieler zu einem delizösen Team formt. Darum kümmert sich Weingutsdirektor Axel Heinz.


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Hat die Reben-Synphonie im Kopf: Ornellaia Gutsdirektor Axel Heinz.


Die Trauben aus den einzelnen Lagen werden jeweils getrennt vergoren, da jeder Basiswein die verschiedenen Facetten seiner Herkunftsparzelle – die Böden, die Sonneneinstrahlung und die Rebsorte – ausdrücken soll. Erst nach einjähriger Fassreife werden die Weine miteinander „vermählt“. Sogar in schwierigen Jahren gelingen im Gut bemerkenswerte Tropfen. Das Ausnahmeschild, sozusagen der Champions-League-Pokal, ist der „Ornellaia“, der zu den besten (und teuersten) Rotweinen  Italiens zählt. Doch weil es Ornellaia wichtig ist, dass man nicht nur träumt, sondern sich auch erfreuen kann, gibt es auch Einsteiger-Tickets in die Weingut-Welt, und vor diesen Weinen muss man keine Angst haben, sie wollen auch nicht zur Gedicht-Analayse verdonnern. Weine wie der „Le Volte dell’Ornellaia 2018“ zeigen zugänglich, unterhaltsam aber feinfühlig, wo die Reise in die Toskana hingehen kann. Und so viel vorweg: Die Reise zergeht auf der Zunge. Die Bezeichnung Zweitwein finde ich übrigens fast zu schade, denn der Le Volte gibt zwar einen Ausblick auf den großen Bruder, hat dabei aber seinen eigenen Charakter.


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Eine Toskana-Reise, in die man sich immer wieder aufs neue verstricken möchte: der Le Volte dell’Ornellaia.


Ich frag mich ja immer, wie die Weine so geschmeckt haben, die sich die Protagonisten in Game of Thrones, allen voran Tyrion Lannister, zu Gemüte geführt haben. Und beim Probieren des „Le Volte dell’Ornellaia 2018“ seh ich irgendwie ihn und Oberyn Martell vor mir, mit einem Krug davon unter Palmen aufs Meer blicken. Es duftet nach roten Beeren und Balsamico, man fühlt eine leicht blumig-würzige windige Brise, dazu ein Tablett voller Schokolade. Beim Trinken gibt es auf royalste Art eins auf die Kirsche, ein Rotwein, der schmeichelt, aber nicht um ein paar markige Säure-Argumente verlegen ist. Kurz: eine Italien-Reise, so unterhaltsam-geschmackvoll wie um eine Fortsetzung verlangend.

Le Volte dell’Ornellaia 2018, Ornellaia, Preis: etwa 20 Euro, über www.superiore.de


Wein-Geheimtipp 21:

Cuvée S, Weingut David Klenert (Deutschland)

Ich persönlich finde, Multitalent ist ein schon sehr strapaziertes Wort, aber wenn es gerechtfertigt passt, dann werfe ich das Wort in den Raum und sind wir ehrlich: Jeder kann doch ein Multitalent in seiner Nähe vertragen. Ob das jetzt ein Partner ist der neben zuhören so gut kochen wie 3000-teilige Ikea-Bausätze in Sekunden zusammenschraubt oder halt ein Wein im Kühlschrank, auf den man für alle Situationen bauen kann, der unterhält, aufmuntert, tröstet, bespaßt.


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© PS Fotografie

Von der Sorte Multitalent-Wein hat der badische Winzer David Klenert, den ich euch schon zu Beginn der Liste mit Wein-Geheimtipps, die man 2021 probieren sollte, vorgestellt habe, jede Menge im Gepäck. (Das ganze Portrait zur äußerst sympathischen Winzer-Persönlichkeit könnt ihr auch hier nochmal nachlesen) Nachdem ich ja schon die Cuvée Rot hier vorgestellt habe, kommt ein Tipp für alle Weißwein-Fans: die Cuvée S – S wie Scheurebe.


david klenert cuvée s scheurebe weinkaufsliste

Kann wild als auch kuschlig: Die Cuvée S ist ein Multitalent-Weißwein, der immer Spaß macht. Außer, wenn er leer ist.


Cuvée S ist ein Wein für alle Fälle, bei dem auch Colt Seavers seine Kaution wieder in eine Flasche investieren würde. Wieso? Man möchte ein gutes Date feiern? Dann nix wie her mit der Cuvée S. Sich von einem schlechten trösten? Cuvée S. Man kann nachts nicht schlafen? Cuvée S. Grillabend oder doch Kuchen mit Oma? Cuvée S. Ein unterhaltsamer, erfrischend ehrlich-unarroganter Wein, der Lust auf mehr macht, und dabei einfach euer bester Freund ist. Mit allem, was ein animierender Weißwein mitbringen sollte – in dem Fall eine sanfte Schelle aus Mango, Limonen, Pfirsich und Birne. Mehr Worte muss man über diesen Wein gar nicht verlieren, das möchte er selbst nicht, denn der hat nur eine Bitte: trink mich!

David Klenert, Cuvée S, Preis: rund 10 Euro, einfach direkt übers Weingut easy per Mail bestellen unter klenert-wein.de/unsere-weine


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Wein-Geheimtipp 22:

Cuvée Hilda, André Macionga x Weingut Disibodenberg (Deutschland)

Im deutschsprachigen Raum steht die Bezeichnung «Cuvée» für einen Verschnitt aus verschiedenen Rebsorten. Hierbei geht es darum, die bestmögliche Qualität des Weins durch die richtige Mischung von einzelnen Rebsorten in eine optimale Balance zu bringen. Man kann etwa die Rebsorten schon in der Weinpresse, dem sogenannten Kelter, zu vereinen. Das heißt, die Trauben werden gemeinsam geerntet und gepresst. Eine weitere Option besteht darin, den Traubensaft im Gärbehälter zu vermischen. Die wohl bekannteste und klassische Methode ist jedoch, den schon gereiften Wein zu verschneiden. Entsprechend nimmt man hier den sortenreinen und schon gelagerten Wein, entnimmt eine Probe, danach beginnen die Experimente auf der Suche nach dem perfekten Wein-Beat. Diese Cuvée-Soundtracks aus bereits gereiften Weinen sind das Metier von André Macionga.


André Macionga Cuvée

Hat immer weinfallsreiche Ideen: Cuvée-Maßschneider und Sommelier André Macionga.


Er ist nicht nur seit langem Chefsommelier bei Starkoch Tim Raue, sondern entwickelt gemeinsam mit einigen der besten Weingütern Deutschlands seit über zehn Jahren außergewöhnliche Cuvées. Im Weinkeller, zusammen mit dem Winzer, degustiert er Fass um Fass. Durch diese Probierreihen setzt André Macionga sensorisch ein Geschmacksbild zusammen. Er stellt sich die Frage: Was könnte zusammenpassen, was nicht? Durch seine Erfahrung hat er schnell eine Gesprächs-Stoff-Vision, was aus den verschiedenen Aromen entstehen könnte. Ob mit dem fränkischen Top-Winzer Horst Sauer, Jochen Dreissigacker aus Rheinhessen, Markus Schneider aus der Pfalz oder dem Grandseigneur Heymann-Löwenstein von den Steillagen der Mosel: Reben-Maßschneider André Macionga bringt flüssige Wein Couture ins Glas und weil darunter auch ein für Einsteiger leistbarer Eintritt zu den exquisiten Dresscodes ist, freue ich mich ihn mit auf der Liste meiner Wein-Geheimtipps für 2021 zu haben und die Gelegenheit zu haben, eines dieser Mixtapes zu probieren.

Bereits das fancy Outfit der „Hilda“ Weissweincuvée von André Macionga & dem Weingut Disibodenberg zeigt: Hier wartet ein eleganter, charakterstarker Spaßmacher auf den Öffner. Das jetzige Weingut Disibodenberg (vormals Weingut Klostermühle Odernheim) liegt im Herzen des Weinbaugebietes Nahe in Rheinland-Pfalz. Es entstand im frühen Mittelalter als Wirtschaftshof des Klosters Disibodenberg und steht damit für über eintausendjährige Weinbautradition.


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Geschmacks-Lichtgestalt unter den Wein-Geheimtipps: die Riesling Cuvée „Hilda“ von André Macionga.


Ein gut geblendeter Blend macht vor allem eines nicht: blenden. Die Gefahr kommt hier aber gar nicht erst auf, man merkt schon beim ersten Geruchsflirt, dass Produzent André Macionga als auch die Einschenker (also ich und demnächst ihr) den Mund richtig voll nehmen dürfen. An der Stelle würde jetzt eigentlich eine längere Beschreibung kommen, aber ich war nach dem Probieren so geflasht, wie es echt selten vorkommt. Einer der besten fünf Weißweine, die ich je getrunken habe, und das ist erst der Einstieg in die Cuvée-Welt von André Macionga, die dann ab rund 50 Euro loslegt. „Hilda“ muss man trinken, entdecken, man kann es schwer in Worte fassen, aber ich versuchs, um euch zumindest einen Eindruck zu verschaffen, warum man diese 18 Euro in ein Erlebnis investiert. Die Riesling-Cuvée ist ein Wein, der absolut unarrogant daherkommt, beim Riechen fast schüchtern wirkt – obwohl man bei der Mixtur aus Heu und Eistee schon ahnt, dass das eine ungewöhnliche Fahrt werden kann. Und das wird es. Der erste Schluck ist eine Massage aus Zitronenmelisse, Apfel, Grapefruit, Limette und karamellisierter Ananas. Man hat den Eindruck, da möchte etwas aus dem Flaschengefängnis raus und wird immer eindrucksvoller, je länger es im Glas spielen darf. Nach dem vierten Schluck kommt eine unfassbar sexy Säure auf den Platz und schlägt im Mund ihr Zeltlager auf. Mich erinnert „Hilda“ an den Netflix-Hit „Dark“: Ungewöhnlich, teils komplex, vielschichtig, unterhaltsam, man will mehr erfahren, bleibt dran, ist gespannt, was als nächstes kommt, dann gehen die Aromen zurück auf Anfang, neue kommen dazu, man fragt sich, welche Wendung jetzt wieder kommt, und ist am Ende einfach nur: süchtig geflasht. Den Wein sollte man sich 2021 dringend reinstreamen.

Cuvée Hilda, André Macionga x Klostermühle Odernheim, Preis: 18 Euro, über andremaciongacuvee.com/shop


Wein-Geheimtipp 23:

Robert Mondavi Winery, Cabernet Sauvignon 2017 (USA)

Nappa Valley ist für Wein-Fans ein wenig wie Maranello: ein Sehnsuchtsort (gerade wenn man hier in München sitzt) aus dem elegante Spaßmacher kommen. Der Vorteil hier, am Beispiel des Rotweins aus dem Weingut Robert Mondavi: Man kann sich die Spaßmacher auch als Normalbürger leiste. Ok, der Cabernet Sauvignon ist kein Wein für mal schnell zwischendurch, auf den freut man sich ganz bewusst und geht halt dafür einmal weniger Fast Food essen. Ist eh geschmackvoller. Und lohnt sich.


josephinenhütte josephine by Kurt Josef Zalto Robert Mondavi nappa valley cabernet sauvignon

Bestes Wein-Accessoire: Das Josephine No 3 Glas komplettiert das Wein-Erlebnis der Wein-Geheimtipps mit dem kalifornischen Rotwein.


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Entführt kuschlig ins sonnenverwöhnte Nappa Valley. Und das ohne stundenlangen Flug.


Mit viel Erfahrung, Innovation und Experimentierfreude setzte Robert Mondavi neue Maßstäbe in der Keller-Technik und die daraus hervorgehende außerordentliche Qualität hob Robert Mondavi und das 1966 gegründete Weingut auf die Wine-Bucket-List-Weinkarte. Heute führt die hoch dekorierte Chef-Winzerin Geneviève Janssens die Philosophie des 2008 verstorbenen Mondavi weiter. Mich hat der Cabernet total begeistert, weil er mich beim Trinken wirklich Richtung Kalifornien entführt. Man riecht, nippt, schließt die Augen, und fühlt sich an das Poolhaus von O.C, California versetzt, steht im leicht aufgeknöpften Maßhemd und Chino am Rand des Schwimmbeckens, und vergisst mal alle Hektik drumherum. Jeder den Soundtrack im Ohr? Dann: Wine time, California here we come! Heidelbeeren, schwarze Johannisbeeren, Kirschen und Brombeeren plantschen mit Vanille und Kräuternoten, temperamentvoll, kultiviert, aber total relaxt und moody. Hier wird weiter eingeschenkt statt abgeschaltet. Ich sage: replay!

Robert Mondavi Cabernet Sauvignon, Preis: rund 32 Euro, über wein-wolf oder hawesko.de


Wein-Geheimtipp 24:

Signature Edition, Weingut Thomas Diehl (Deutschland)

Noch ein Winzer-Geheimtipp, noch einen jungen Reben-DJ, dessen Wein-Beats ich euch wärmstens ans Herz lege, ist Thomas Diehl vom Weingut Diehl aus Stuttgart. Gegründet wurde das Weingut Diehl 1972 von Helmut Diehl, heute sitzt Sohn Thomas auf der Trainerbank und bespielt die Taktiktafel. Qualität und Nachhaltigkeit im ganzen Herstellungsprozess ist der Familie besonders wichtig. Bei der Produktion der Weine legen Thomas & Team großen Wert auf Ertragsreduktion und eine selektive Handlese. Diese werden, wo sinnvoll, ergänzt durch modernste Methoden in der Kellerwirtschaft. In die natürlichen Gärprozesse wird so wenig wie möglich eingegriffen, um den Charakter der Trauben zu erhalten.


Weingut Thomas Diehl

Thomas ist für mich einer der coolen Jungen Wilden, die dabei aber sowohl beim Dresscode als auch der Etikette Stilbewusstsein zeigen. So unterstützt Thomas etwa mit seiner neuen Hamster Winter Edition die Organisation Frauen Helfen Frauen Stuttgart. (Die Hamster-WeinSerie ist für mich eine der cutesten und weckt mit den liebevollen Etiketten echtes Sammelfieber – die Weine stelle ich euch noch mal explizit separat vor) Aber auch die Weine sind genussfertig geschneidert und haben ein im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnetes Outfit: Mit Thomas‘ Eintritt hat auch das Corporate Design des Familienbetriebes einen Wandel vollzogen, der dem Weingut die Auszeichnung mit dem Red Dot Design Award 2019 und den German Design Award 2020 einbrachte. Im Mittelpunkt dieser erfrischenden Aufmachung steht der vom Aussterben bedrohte Zugvogel Wiedehopf.

Dieser war über Jahrhunderte als Kulturfolger im Weinberg ein gern gesehener Nützling und Helfer, bis er eines Tages verschwand. Erst 2017 tauchte er wieder in der Region auf. Jedes Jahr kommt der Wiedehopf aus Afrika, um in den Stuttgarter Weinbergen zu brüten. Er verkörpert die Werte des Familienbetriebes: Weltoffenheit, Treue zur Region und Bescheidenheit. Ihm widmet Familie Diehl auch ihre Gutsweine sowie die Cuvée-Edition „The Hopoe Edition“, die ich ebenfalls nur herzlichst empfehlen kann – ehrliche, unaufgeregte Spaßmacher-Weine, die Eleganz mitbringen, ohne sich in den Mittelpunkt stellen zu wollen. Nice!

Die sieben Hektar Weinberge des Betriebes befinden sich rund um den Württemberg, auf Lagen am Mönchberg, Götzenberg, Schlossberg und Altenberg – deren Horizontlinien finden sich auf den Etiketten wieder. So wie auch bei der Signature Edition, (neben der Hamster-Edition) mein Wein-Geheimtipp, den ihr spätestens 2021 probieren solltet. Die einzeln oder praktisch als Tasting-Paket erhältliche Kollektion besteht aus der Rotwein-Cuvée „Manifesto“, der Weißwein-Cuvée „Pragmatist“ und der Rosé-Cuvée „Elliot“ – alle übrigens als trockene Variante.


Elegant, aber unaufgeregt, classy, aber sehr nahbar: Die Signature Linie von Thomas Diehl.


Manifesto ist perfekt für alle, die von schweren Rotweinen eingeschüchtert sind oder sie nicht vertragen – ihr werdet hier mal ganz leicht filigran an die Hand genommen. Der Rotwein riecht nach Nebel an einem Berghang, kurz bevor die Sonne aufgeht. Duftet nach roten Beeren, legt sich mit ganz feiner dezenten Würze auf die Zunge und geht dann geschmeidig-marmeladig-easy runter, clean, geil, zugänglich elegant – beste Wein-Unterhaltung für alle Generationen, die Spaß am genießen haben ohne über den Wein eine Doktorarbeit verfassen zu wollen. Kurz: ganz trockener Humor aus Stuttgart. Den versprüht die Weißwein-Cuvée Pragmatist und der Rosé Elliott ebenfalls par excellence.

Dabei ist der Pragmatist ein ungewöhnlicher Weißwein. Er hat nicht die klassische – aber halt auch erwartbare – Struktur, sondern erinnert mich eher an geilen, frisch gekelterten Apfelsaft ohne jegliche Zusatzstoffe. Den hab ich als Kind immer getrunken, wenn wir die Äpfel aus Opas Garten zur kleinen Obstkelterei im Nachbarort gebracht haben und daraus Saft gepresst wurde. Absilut pur, weich, schmelzig, und dann kommt plötzlich eine geile Säure ums Eck, die im Gaumen kitzelt und einfach unfassbar scharf auf den nächsten Schluck macht. Das ist ein Wein, der auch Frauenherzen höher schlagen lässt, weil er herrlich unkompliziert aber unfassbar charmant auftritt. Gleiches gilt für den Rosé Elliott – der mag es eh lieber kurz und knackig: zum Reinlegen. Kein Selbstdarsteller, dafür authentische Sommer-Laune made in Stuttgart. Stark!

The Signature Edition, Weingut Thomas, Diehl, Preis: rund 39 Euro, über www.weingut-diehl.com/wine-tasting-boxen


Klick: Hier geht es zu Teil 1 der Wein-Geheimtipps Bucket List für 2021


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