Weingut Gesellmann im Tasting: Humor, Tiefgang und entkorkte Emotionen

Weingut Gesellmann burgenland tasting

Neue Sofa-Wein-Reise ins österreichische Mittelburgenland. Beim Weingut Gesellmann in Deutschkreutz werden hauptsächlich classy Rotweine mit Fokus auf Blaufränkisch Beats auf die Glas-Playlist gestreamt. Ich probiere mich durch 5 Reben-Soundtracks – und durfte dem Genusshandwerker hinter den Weinen ein paar Fragen stellen.



Seit 2011 als Bioweingut geführt und ab 2015 zertifiziert, bewirtschaftet das Weingut Gesellmann 50 Hektar erstklassiger Lagen in Deutschkreutz. Unter der Leitung von Silvia und Albert Gesellmann entstehen auf 50 Hektar erstklassiger Lagen durch präzises Handwerk, internationale Erfahrung und handverlesene Trauben – teils von bis zu 90 Jahre alten Rebstöcken – Charakterkopf-Weine für Entdecker. Ausdrucksstarke Weißweine, kraftvolle Rotweine mit mittelburgenländischer Würze sowie Spitzenweine wie die Cuvée G. Ich hab mal im Wein-Reisebüro eine Sofa-Tour durchs Mittelburgendland gebucht – und bekam von Albert Gesellmann im Interview einen humorvollen Einblick in seine Idee und Handschrift.


Weingut Gesellmann burgenland tasting

Zum Wein-Date erschienen sind: 

  • Gesellmann OP Eximium (Blaufränkisch /St.Laurent / Zweigelt)
  • Gesellmann hochberc (Blaufränkisch)
  • Gesellmann Blaufränkisch vom Lehm 
  • Gesellmann Blaufränkisch Creitzer Reserve 

… und ein besonders verpacktes Abenteuer


Die Cuvée „G“ ist der Champions League Wein, der Aromen-Abenteuern den roten Teppich ausrollt.

Weingut Gesellmann burgenland tasting

Albert Gesellmann im Interview

“Gelassenheit ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeitsweise. Gerade im Weinbau lernt man, dass sich nicht alles kontrollieren lässt. Man arbeitet mit der Natur, und jede Vegetationsperiode bringt neue Herausforderungen mit sich – Frost, Wetter oder der Verlauf der Ernte. Deshalb braucht es eine gewisse Ruhe und das Vertrauen, dass vieles seinen Weg findet. Natürlich gibt es während der Lese Phasen mit hoher Anspannung. Wenn viele Entscheidungen gleichzeitig getroffen werden müssen, steigt die Hektik und damit auch das Risiko von Unachtsamkeiten. Trotzdem ist unser grundsätzlicher Zugang zum Wein nicht technisch oder verbissen, sondern bewusst entspannt. Unsere Weine sollen unsere Persönlichkeit widerspiegeln. Wir verstehen uns nicht als reine Geschäftsleute, sondern als Menschen, die mit und in der Natur arbeiten. Wein lässt sich nicht vollständig kontrollieren – man kann ihm lediglich den richtigen Rahmen geben.”


Weingut Gesellmann burgenland tasting

„Während der Ernte arbeiten bis zu zehn Personen gleichzeitig im Keller. Dabei passierte einmal ein Missgeschick: Zwei Weine wurden bereits während der Gärung versehentlich miteinander vermischt. Im ersten Moment war der Schreck groß. Unsere Philosophie ist es, jede Lage und jeden Wein zunächst separat auszubauen und erst später – wenn überhaupt – zu vermählen. Entsprechend groß war die Aufregung. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass die Qualität des Weins darunter keineswegs gelitten hatte. Im Gegenteil: Das Ergebnis überzeugte auch nach der Gärung. Heute? Kann ich diese Geschichte mit einem Schmunzeln erzählen. Sie erinnert daran, dass sich im Weinbau nicht alles planen lässt – und dass aus einem vermeintlichen Fehler manchmal doch etwas unerwartet Gutes entstehen kann.“


UnFassbar fokussiert. Unter der Leitung von Silvia und Albert Gesellmann entstehen auf 50 Hektar erstklassiger Lagen – teils von bis zu 90 Jahre alten Rebstöcken – Charakterkopf-Weine für Entdecker.

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„Die größte Faszination am Rotwein ist für mich, dass kein Jahr dem anderen gleicht. Jede Vegetationsperiode verläuft anders – Wetter, Reife und Trauben entwickeln sich jedes Mal neu. Deshalb erzählt jeder Jahrgang seine eigene Geschichte. Während der Lese verlassen wir uns nicht nur auf analytische Werte wie Zucker oder Säure. Wir verkosten die Trauben und später die gärenden Weine täglich. So entsteht ein Gespür dafür, welchen Weg ein Wein nimmt.

Besonders faszinieren mich alte Rebanlagen. Sie bringen oft tiefgründigere, harmonischere und ausgewogenere Weine hervor. Es gibt Momente im Keller, in denen man schon während der Gärung spürt, dass ein Wein seine Balance gefunden hat – das sind für mich die schönsten Augenblicke.

Gleichzeitig bleibt jeder Jahrgang mit einer gewissen Spannung verbunden. Das Wetter kann sich jederzeit ändern und verlangt immer wieder neue Entscheidungen. Es gibt kein Rezept, das man einfach Jahr für Jahr wiederholt. Genau diese Mischung aus Erfahrung, Handwerk und Unberechenbarkeit macht den Weinbau für mich so faszinierend.“

„Wein entsteht für mich aus dem Zusammenspiel von Natur und Handwerk. Die Natur liefert die Voraussetzungen – Boden, Klima und Trauben. Wein entsteht daraus jedoch nicht von selbst. Erst durch die Arbeit des Winzers wird aus den Trauben ein Wein. Unsere Aufgabe ist es, den natürlichen Prozess zu begleiten und den Charakter eines Jahrgangs herauszuarbeiten, ohne ihn zu verfälschen. Genau darin liegt das Handwerk. Das Besondere an diesem Beruf ist, dass man nur einmal im Jahr die Chance hat, einen neuen Jahrgang zu gestalten. Fehler lassen sich nicht einfach korrigieren oder im nächsten Durchgang ausgleichen. Jeder Jahrgang ist ein Unikat – und genau das macht diesen Beruf für mich so besonders.“


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“Wenn ein Wein das Weingut verlässt, wünsche ich mir schon, dass er in gute Hände kommt. Natürlich ist Wein auch ein Wirtschaftsgut und muss verkauft werden. Aber hinter jeder Flasche steckt viel Zeit, Handarbeit und Leidenschaft. Deshalb freut es mich, wenn sie bei Menschen landet, die diese Arbeit auch zu schätzen wissen. Bei manchen Weinen ist mir das besonders wichtig. Es gibt limitierte Projekte, wie unsere Stockkultur, von der nur rund 1.000 Flaschen entstehen. Die Reben werden in einer alten Erziehungsform bewirtschaftet, viele Arbeiten müssen ausschließlich von Hand erledigt werden, weil keine Maschinen durch die Weinberge kommen. In solchen Weinen steckt unglaublich viel Herzblut.

Deshalb gebe ich diese Flaschen nicht beliebig ab. Ich öffne sie lieber gemeinsam mit Menschen, die sich wirklich dafür interessieren und den Wein bewusst erleben möchten. Es geht dabei nicht darum, möglichst hohe Preise zu erzielen, sondern darum, dass die Leidenschaft, die in diesen Weinen steckt, auch wahrgenommen wird.”

“Über gute Bewertungen freue ich mich natürlich. Gleichzeitig gehört zum Wein dazu, dass jeder ihn anders wahrnimmt. Unterschiedliche Meinungen sind völlig in Ordnung. Und es ist absolut gewollt, dass die Weine nicht gleich schmecken. Ich versuche, jeder Rebsorte und jeder Lage ihren eigenen Charakter zu geben. Unsere Weine sollen nicht austauschbar sein, sondern ihre Herkunft zeigen. Natürlich nehme ich konkrete Kritik ernst. Wenn jemand den Holzeinsatz anders sieht oder einen nachvollziehbaren Verbesserungsvorschlag hat, höre ich genau hin. Aber ich möchte keine Weine machen, die jedem gefallen müssen. Lieber haben sie Persönlichkeit.“


Terrassen-Tasting-Tango. Immer der Nase und Neugier nach.

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“Das Spannende am Wein ist, dass jeder Mensch etwas anderes darin entdeckt. Es gibt Verkoster, die einen Wein genau so beschreiben, wie ich ihn selbst empfinde. Da merkt man, dass jemand den Charakter wirklich verstanden hat. Andere schmecken etwas völlig anderes – und auch das gehört dazu. Manchmal vergleichen Menschen unsere Weine mit Regionen wie Burgund, der Rhône oder sogar Portwein. Solche Vergleiche finde ich spannend, weil sie zeigen, welche Eindrücke ein Wein auslösen kann. Trotzdem möchte ich keinen Stil kopieren. Unser Ziel ist es, Weine zu machen, die ihre eigene Identität haben – mit Würze, Frische und Lebendigkeit.”

“Die größte Freude bereiten mir Rückmeldungen von Menschen, die unsere Weine viele Jahre nach dem Kauf öffnen. Wenn jemand schreibt, dass eine zehn oder zwanzig Jahre alte Flasche noch voller Leben ist und bei einem besonderen Anlass begeistert hat, ist das für mich die schönste Anerkennung. Genau dafür machen wir Wein. Unser Anspruch ist nicht, Weine für den schnellen Genuss zu produzieren. Sie sollen sich entwickeln dürfen und auch nach vielen Jahren noch Freude bereiten.”

“Oh, ja. Zu Weihnachten saß die ganze Familie zusammen. Normalerweise trinken wir an solchen Abenden Weine aus aller Welt. Diesmal habe ich jedoch ohne ein Wort zu verraten und heimlich eine Flasche unseres Jahrgangs 1999 eingeschenkt. Niemand wusste, was im Glas war. Plötzlich wurde es still.

Gerade weil bei uns sonst viel geredet und gelacht wird, war dieser Moment etwas Besonderes. Jeder roch am Glas, nahm einen Schluck und beschäftigte sich einfach mit dem Wein. Erst nach einer Weile sagte jemand: So einen Wein haben wir schon lange nicht mehr getrunken. Ohne Erklärung, ohne Etikett und ohne Erwartungen hatte der Wein ganz allein gesprochen. Das war für mich einer der schönsten Momente überhaupt.

Deshalb glaube ich, dass Wein in erster Linie Emotion ist. Natürlich kann man über Aromen, Ausbau und Herkunft sprechen. Aber das sollte nie wichtiger werden als der Moment selbst. Ein guter Wein begleitet ein Essen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Er bringt Menschen zusammen und macht gemeinsame Stunden besonders. Man muss ihn nicht bis ins kleinste Detail analysieren. Wenn ein Wein berührt und Erinnerungen schafft, dann hat er seinen Zweck erfüllt.”

“Oft werde ich gefragt, wie lange man einen Wein lagern sollte. Natürlich profitieren viele Weine von der Reife. Sie werden komplexer, harmonischer und entwickeln neue Facetten. Trotzdem glaube ich nicht an den einen perfekten Zeitpunkt. Ich kenne das selbst: Man hebt eine besondere Flasche jahrelang auf und wartet auf den perfekten Anlass. Irgendwann merkt man, dass dieser Moment vielleicht nie kommt. Heute denke ich deshalb anders. Nicht der Anlass macht den Wein besonders. Oft macht der Wein den Anlass besonders. Mein Vater hatte darauf immer eine schöne Antwort: „Am besten austrinken – und dann wieder nachholen.” Darum sollte man einen Wein nicht aus Angst vor dem falschen Zeitpunkt im Keller vergessen. Die schönsten Erinnerungen entstehen erst, wenn man ihn öffnet und mit anderen Menschen teilt.”



Weingut Gesellmann Weine im Tasting


Weingut Gesellmann burgenland tasting


Weingut Gesellmann burgenland tasting

Der Start in die Rotwein-Safari vom Weingut Gesellmann: der Blaufränkisch vom Lehm.


Ich probier mich durch 5 Reben-Soundtracks, den Anfang macht der „Blaufränkisch vom Lehm“ (14,80€). Ich find die Sorte ja nicht nur anziehend, weil sie mich immer an meine Heimat Franken erinnert, sondern weil hier von juicy bis couture alles möglich ist. 

Wie sich der Blaufränkisch vom Lehm in der Nase anfühlt? Als ob man beim regnerischen Waldspaziergang Schoko-Kirsch-Lakritz-Torte mit Kardamom isst – kühl, aber warm einladend. 


Süffisant lässig, wie schwerelose Marmelade mit feiner präziser Säure und mit dem Trinkfluss eines plätschernden Baches.

Weingut Gesellmann burgenland tasting

Und dann zieht sich das Ding ein Strickpolo an und gleitet geschmeidig, fast süffisant lässig, über die Zunge, wie schwerelose Marmelade mit feiner präziser Säure. Der Wein kuschelt sich so frech charmant unter die Zunge wie ein Hund aufs Sofa; Cassis, Brombeere und Nougat machen sich’s gemütlich, mit dem Trinkfluss eines plätschernden Baches. Mit mehr Luft wird’s noch saftiger. Oder einfach kurz: ein 

Lehmotional lässiger Rotwein zum relaxten Schwelgen. 




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Im lokalen Dialekt nennt man Menschen aus Deutschkreutz die „Creitzer“. Aus den schönsten Weinlagen rund um Deutschkreutz wurden die Trauben für diesen Wein selektioniert.


Das zweite Wein-Date von Reben-DJ setzt das begeisterte Bauchgefühl fort. Auch hier die Handschrift wieder: Deep Talk mit Gelassenheit. Der Blaufränkisch Creitzer Reserve Mittelburgenland DAC (20,90€) mixt Tiefgang mit Nonchalance. 


Ein mediterran-würziges Abenteuer im Vibe von Oliven-Schwarztee, saftigen Kirschen, Gewürzparty und Geradlinigkeit.

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Der Duft: Pefferschinken-eingelegte Kirsche-Vanille-Party auf Ledersofas. Im Mund: Pfefferbeisser mit Kirschwasser cruisen über eine saftige Autobahn, nehmen geröstete Tomaten mit. Es folgt: ein mediterran-würziges Abenteuer im Vibe von Oliven-Schwarztee, saftigen Kirschen, Gewürzparty und Geradlinigkeit mit Wellness-Charakter und Vibes von kühlem Glühwein.

Hab mich gefühlt wie ein Kind im Spielwarenladen, in jedem Schluck-Gang was Neues entdeckt. Dabei: mehr schwerelos als schwermütig. Auf jeden Fall ein Stoff für neugierige Entdecker. 




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Ein Musterbeispiel für einen galanten Abenteuerwein: Opus Eximium No 35.


Weiter geht die Burgenland-Rotwein-Journey. Im Chart-Dauerbrenner Opus Eximium No 35 (26,30€) geben die autochthonen Rebsorten Blaufränkisch, St. Laurent und Zweigelt den Beat vor. 

Auch der Wein agiert wie die anderen probierten nach dem Motto „Ich weiß was ich kann, aber muss es nicht laut rausposaunen – ich lass die Leute für sich entdecken.“

Was für Einsteiger oder eher alte Hasen? Mein Tipp: mit dem Blauburgunder vom Lehm beginnen, einlassen, und dann haben neugierige Horizont-Erweiterer ihren Spaß.  Waren es in den Anfangsjahren noch Cabernet Sauvignon und Pinot Noir fixer Bestandteil der Cuvée, sind seit dem Jahrgang 2000 nur noch die autochthonen Rebsorten Blaufränkisch, St. Laurent und Zweigelt vertreten.


Weder kleinkariert noch nur einer Linie folgend: der Opus Eximium No 35 mixt Tiefgang mit Geschmeidigkeit.

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Dresscode: Eleganz, gewürzt mit humorvollem Charakter. In der Nase wie BBQ Rub mit Kaffee & Pfeffer, geräucherte Landjäger mit Kirschwasser, Holz und Kräuter. Und auf der Zunge gleitet diese würzige Vernissage dann geschmeidig saftig durch Ausstellungsräume mit dunklen Früchten, schwarzem Tee, mediterranen Kräutern und Pfeffer-Poesie. 

Ein Wein zum Hinsetzen, Schluck für Schluck entdecken, um sich dann mit einem süffisanten Grinsen zurückzulehnen.




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Der Weingut Gesellmann „Hochberc“ ist ein Blaufränkisch-Burgenland-Blockbuster mit Beeren-Power, bravouröser Würze und einer Brise Blutorange.


„Dickes B, oben an der …“  – ausnahmsweise nicht Spree – sondern ein Burgenland-Blockbuster, mit Beeren-Power, bravouröser Würze und Brise Blutorange. Aber starten wir bei A wie Abenteuer: dieser Blaufränkisch ist mit 47,60€ im „Bitte Bewusst genießen“-Regal situiert und hat mich auf eine Entdecker-Reise mitgenommen, bei der ich öfter noch mal gern einen Schluck zurückgespult hätte, um einen Schritt nochmal zu erleben. 

In der Nase geht’s zu wie bei Trash-TV-Zicken: direkt zur Sache. Nur das hier ein leiser, classy Sountrack von Eukalyptus, mediterranen Kräutern oder Pfefferkrustenschinken flirtet. Tiefe Würze trifft faszinierende neblige Kühle. 


Ein Rotwein, der sich selbst Anlässe schafft, und einen mit dieser eleganten Unaufgeregtheit wie in einen Sog reinzieht.

Weingut Gesellmann burgenland tasting

Auf der Zunge? Bisschen wie der Hogwarts Exprese, geschmeidig elegant verzaubernd,  leicht herb, ein Wagon kuschlig gefüllt mit Kirsche, Waldbeeren, Cassie, Olive, Parmaschinken, und so eine flirty Liaison aus Blutorange und Milchschokolade. Selbstredend, dass das Ding formidablen Trinkzug hat. 

Hab sogar unfreiwillig den Versuch gemacht, einen Rest Wein 4 Tage offen stehen zu lassen – war überragend. 

Klar: Für den Preis bekommt man aktuell grade so 5 Döner in der Großstadt – aber das ist ein Rotwein-Ticket das Slow genossen wird – und doch Fast leer geht. 





Die Rebsorte Blaufränkisch prägt auch das Flaggschiff des Hauses, die Cuvée G: Die Cuvée aus Blaufränkisch (95 Prozent) und Sankt Laurent steht für diese besonderen Wein-Indiana-Jones-Momente. Der Winzer hat dem Wein alle Zeit gelassen, zu reifen – und die gleiche Zeit und Ruhe sollte man auch beim Entdecken walten lassen. 

Der Ausbau des Weins erfolgte über 40 Monate in Tonneaux und Barriquefässern aus französischer und österreichischer Eiche. Nach der Zusammenführung ging’s nochmal zum kurzen Wellnessurlaub ür weitere vier Monate im großen Holz, bevor er in die Flaschen gefüllt wurde. Nur die besten Jahrgänge werden zur Cuvée G (ca. 90€) vinifiziert, die Trauben stammen von den ältesten, bis zu 90 Jahre alten, Rebstöcken aus den besten Lagen rund um Deutschkreutz. Mit dem Jahrgang 2021 feierte die Cuvée G ihr 20. Jubiläum. 


Dresscode? Abenteuer. Die Gesellmann Cuvée „G“ fühlt sich an wie die (ersten 3) Indiana Jones-Filme: eine Abenteuerreise durch verschiedene Schauplätze, mitreißend, manchmal mystisch, elegant, kraftvoll, aber irgendwie auch mit dieser Prise Humor.


Man könnte jetzt versuchen, mit Pinzette oder Lupe alle Aromen einzeln ins Briefmarkenalbum zu kleben. Aber solche Weine sind zu sehr emotionales Handwerk, als dass man das mit Excellisten trocken legt. 


„G“ ist ein autochthoner Tribut an die Tradition. Geerntet von den ältesten Rebstöcken mit kleinbeerigen Blaufränkisch- und St. Laurent-Trauben. 40 Monate lang in neuen Barriques ausgebaut.


Weine aus dem Preisregal sind bei mir super seltene Privilegien, da geht man schon mit Ehrfurcht ran. Und grade deshalb kribbelt die Neugier wie ein Ameisenhaufen, denn  dieser Rotwein ist dann wie die (ersten 3) Indi-Filme: eine Abenteuerreise durch verschiedene Schauplätze, mitreißend, manchmal mystisch, elegant, kraftvoll, aber irgendwie auch mit dieser Prise humorvoller Lockerheit zwischendrin. 

Anders formuliert: Beim Weingut Gesellmann Cuvée „G“ macht man den Schatzsucher-Schnupperkurs gleich gratis zu Beginn. Bei jedem Hineinriechen entdeckt man neue Nuancen. 

Kirschen, Waldbeeren, Brombeeren und Blaubeeren reiten mit Schokolade und minzigem Nebel in den Sonnenuntergang, Schwarztee, Orange und eine Gewürzparty, aus der man sich fast eine Bratensauce zaubern möchte, schlüpfen mit unter den Hut. Ruhepausen auf der Geschmacksreise? Selten. Von dicht und saftig zu galanter Säure, von Gelassenheit bis Temperament ist alles dabei. Und irgendwie sinkt man immer tiefer in seinen Stuhl, jeder Schluck wie eine eigenes kleines Mini-Abenteuer. 




Albert Gesellmann trägt sein Herz auf der Zunge. Und genauso persönlichkeitsgetragen flanieren die Weine durchs Glas. Perfekte Weine? Schön und gut. Ihm geht es darum, ehrliche Weine zu machen. Weine, die die Story ihres Jahrgangs erzählen, mit Höhen, aber eben auch Tiefen.


Ein Herz für Charakterkopf-Weine.


Denn: Charakter-Style ist wichtiger als ein Einheitslook. Alles gewürzt mit dieser feinen Prise Gelassenheit. Und so haben alle probierten Rotweine geschmeckt – eine erkennbare Handschrift wie ein roter Faden – nur jeder durfte seine eigene Personality entwickeln. Einsteiger bekommen mit dem Blaufränkisch vom Lehm ein zugängliches Ticket in diese Weinwelt, zum mehr als fairen Preis. Und wer neugierig ist auf facettenreiche Blaufränkisch-Abenteuer, findet im Angebots-Reisebüro des Weinguts verschiedene spannende Ziele – bis hin zum Sofa-Blockbuster Cuvée “G”. Alles, ohne sich Sorgen machen zu müssen, die Idee hinter den Weinen nicht zu verstehen. Wer neugierig auf Reisen gehen möchte, kann sich hier austoben, wie auf dem Abenteuerspielplatz.

Alle Weine sind über den Onlineshop erhältlich.


*mit weinfreudiger Unterstützung von Wine + Partners und Weingut Gesellmann

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Eine Rebsorte, unterschiedliche Dresscodes: Weingut Blankenhorn Gutedel im Tasting

Weingut blankenhorn Gutedel Tasting

Altbacken? Eher Alltagskünstler mit feinen Twists! Die Rebsorte Gutedel bekommt im badischen Weingut Blankenhorn Dresscodes aus dem Keller-Kleiderschrank herausgelegt, die ihre Personality classy, aber zugänglich unterstreichen. Und bisschen wie MacGyver für jeden Einschenk-Anlass und jede Stimmung etwas parat haben. Für Neugierige gibt es sogar ein fertig zusammengestelltes Tasting-Paket mit 3 Gutedeln von easy bis elegant – und genau das hab ich ausprobiert.




Immer wenn das Wein-Reisebüro von ein neues Ausflugsziel für meine Gläser hat, weiß ich: die Neugier darf auf Abenteuer. Das Ziel diesmal: meine neue Heimat Baden, genauer gesagt: das Markgräflerland. Und noch genauer: eine Expedition zur Rebsorte Gutedel. Die hatte sich bis dato noch nicht oft frühmorgens mit Handtuch eine Liege an meinem Wein-Dating-Pool reserviert, vielleicht auch, weil ich etwas reserviert war: Irgendwie haben die „bekannteren“ Rebsorten immer lautstärker gewunken. Und Gutedel, das hatte für mich früher auch so ein Image wie Müller Thurgau – bisschen angestaubt, blasser Inhalierstoff ohne große Aufmerksamkeitsspanne. Aber zum Glück bin ich auf meiner Journey immer wieder in die richtige Richtung geschubst worden, sei es durch das Tasting eines besonderen Weinglases oder einfach der Neugier, was abseits des Mainstreams oder Supermarkts so aus einer Rebsorte gehandwerkt werden kann.

Mittlerweile fühlt sich das badische Weinbau-Gebiet an wie ein Märchenwald, der immer wieder neu lockt zu probieren. Und Gutedel mag vielleicht keine Kein Mainstream-Rebsorte sein, aber: ein schwerelos-kultivierter Sommer-Soundtrack, wie ich jetzt dank dem Weingut Blankenhorn erfahren durfte.



Seit 1847 steht das Weingut Blankenhorn für Terroir-Weine aus dem Markgräflerland. 2014 übernahm Martin Männer das Weingut in Schliengen, und hat an den Reben-DJ Turntables einiges in die Moderne gedreht. Einer der Stars auf der Playlist: eben die Weißwein Sorte Gutedel.


Hat nicht nur beim Gutedel mal ordentlich ein Fass aufgemacht. In den vergangenen Jahren hat Männer das Weingut Blankenhorn aus seinem Dornröschenschlaf geweckt, die historischen Gebäude aufwendig kernsaniert, die Weinlinie gestrafft, das Potenzial der besonderen Lagen präzise herausgearbeitet.


Die Weinberge werden biodynamisch bewirtschaftet und sind mit dem Jahrgang 2026 auch bio-zertifiziert. Das Weingut trägt außerdem das Fair’n Green Nachhaltigkeitssiegel. Heute liegt der Fokus von Blankenhorn wieder auf der traditionellen Rebsorte Gutedel, ausgebaut in unterschiedlichen Stilistiken und Klassifizierungsstufen. Daneben baut Männer mit seinem Team Burgunder nach französischem Vorbild mit Feingespür für die Einflüsse der direkten Nachbarländer Frankreich, Schweiz und Deutschland an.


Weingut blankenhorn Gutedel Tasting

Es gibt sogar ein fertig zusammengestelltes Gutedel Paket (43€), von easy drinking bis zum Tiefgang-Abenteuer. Mit dabei …


➡️ 2024 Markgräfler Gutedel | VDP.GUTSWEIN

➡️ 2024 Schliengen Chasselas| VDP.ORTSWEIN

➡️ 2022 Schliengen „Le Clocher“ Chasselas | VDP.ERSTE LAGE

Weingut blankenhorn Gutedel Tasting

Weingut blankenhorn Gutedel Tasting


Weingut Blankenhorn Markgräfler Gutedel
VDP.GUTSWEIN
trocken


Apfel und Ouzo im Wein?

Ich hab zum Start des Weingut Blankenhorn Gutedel Tasting-Pakets den Gutswein (10,50€) als Einstieg zum Date gebeten – und der interpretierte das Gut in Gutswein gleich als: easy, aber mit Charakter eine gute Zeit haben.

Wer sollte hier probieren – und warum? 

Alle neugierigen Weinsteiger, die Lässigkeit & Erfrischung für Balkon, Terrasse und Co suchen, die sowohl Herz, aber auch was im Kopf hat. 


Weingut blankenhorn Gutedel Tasting

Macht Lust auf den Einstieg zur Gutedel Safari: der Markgräfler Gutedel
VDP.GUTSWEIN trocken. Unprätentiös, aber mit feinem Charakter.


Einen relaxten, unkomplizierten Wein ins Glas zu bringen erfordert besonders viel Handwerk. Dieser Gutedel Sommer-Soundtrack kitzelt apfelig-grasig die Nase, mit so einer flüchtig-frechen Spur Anis.

Weingut blankenhorn Gutedel Tasting

Der Weingut Blankenhorn Markgräfler Gutedel Gutswein kitzelt leicht sprühneblig apfelig-grasig die Nase, mit so einer flüchtig-frechen Spur Anis. Wir hatten früher im Garten so einen Rasensprenger, durch dessen Wassernebel wir als Kinder gehüpft sind. Genau dieses Gefühl der Unbeschwertheit hat dieser badische Weißwein ausgelöst. 

Leicht tänzelnd, leicht herb. Straff, relaxt, süffig, pointiert mit Apfesaft & Ouzo Vibes. So ein Wein, den man gedankenverloren sippen, der einen aber gleichzeitig auf neue Gedanken bringen kann. 

Weingut Blankenhorn Markgräfler Gutedel VDP.GUTSWEIN trocken, Preis: 10,50 Euro, über shop.weingut-blankenhorn.de



Weingut Blankenhorn Schliengen Chasselas „Courage“ VDP.Ortswein


Zweiter Wein aus dem Gutedel-Paket der Markgräflerland-Reben-DJs vom Weingut Blankenhorn, Titel: Schliengen Chasselas „Courage“ VDP.Ortswein Réserve du Patron trocken. Das Motto: Gutedel zwischen Mut & Eloquenz.

Nach dem Gutswein für rund 10€ klettern wir hier mit diesem Weingut Blankenhorn Gutedel für rund 30€ das Ticket schon eine Étage höher, und wow: Wie sophisticated das einerseits ist, andererseits auch phasenweise wirkt, als würde der Wein in Benjamin Blümchen Badeshorts einen Cocktail mit Strohhalm schlürfen. Pure gediegene Lässigkeit, die es mit Humor nimmt. Warum? Weil ers kann. Courage nimmt es hier wörtlich. 


Weingut blankenhorn Gutedel Tasting

Weißwein zum classy sitzend Flanieren und Sinnieren: Der Weingut Blankenhorn Gutedel Schliengen Chasselas „Courage“ VDP.Ortswein ist ein Musterbeispiel für galanten Charakterkopf mit jeder Menge Ruhe.


Zurücklehnen und Auszeit-Abenteuer einatmen. Eine hypnotisierende Liaison aus Apfel und Holz, Quitte, Grillbanane, eloquent gewürzt abgeschmeckt.

Weingut blankenhorn Gutedel Tasting

Die Nase: cool-nebulös, wie in Gedanken versunkener Apfel, Pfirsich, ein Funke Malz und weißer Rum. So unaufgeregt kann Tiefgang sein. 

Im Geschmack: so nonchalant erwachsen. hypnotisierende Liaison aus Apfel und Holz, Quitte, Grillbanane, eloquent gewürzt abgeschmeckt. Und dieses Schluck-Abenteuer hat im Nachhall echte Kondition. Trotzdem läuft das sehr trinkzügig über die Zunge. Bergab. Mit Rückenwind. Daher nur als Tipp: die Courage haben, gleich zwei Flaschen von diesem Weingut Blankenhorn Gutedel zu bestellen.

Weingut Blankenhorn Schliengen Chasselas „Courage“ VDP.Ortswein, Preis: 30 Euro, über shop.weingut-blankenhorn.de



Weingut Blankenhorn Schliengener Kirchberg Chasselas «LE CLOCHER» VDP.Erste Lage® trocken


Ein Lagenwein von bis zu 25 Jahre alte Reben mit schöner Länge, der Kondition hat wie ein routinierter Schwarzwaldwanderer, aber schon mal einen Blazer überstreift. Genau dieser Facettenreichtum hat mir beim Weingut Blankenhorn Gutedel – in jeder seiner Charaktere – von Anfang an gefallen.

Die Nase wandert beim Schliengener Kirchberg Chasselas «LE CLOCHER» VDP.Erste Lage® trocken über einen wolkig-weichen Teppich aus Croissant, Kumquat und Birne – und bleibt auf selbigem. Denn der Wein will trotz seiner Eleganz gefühlt gar nicht durch den Aromen-Fleischwolf dekliniert werden. Für mich war das einfach: ein Gefühl der schwerelosen Auszeit. Losgelöster als Major Tom, geht’s einfach saftig-lässig mit feiner Tiefe durch Raum und Zeit. Und genau dieses Gefühl war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Noch so ein Verkostungs-Moment, nach dem man die Rebsorte Gutedel wieder mit anderen Augen sieht.


Weingut blankenhorn Gutedel Tasting

Diese Interpretation des Gutedels vom Weingut Blankenhorn vertritt das Motto: Sophisticated mit Augenzwinkern.


Ein kunterbuntes Aromen-Treiben, verpackt in einen super unaufgeregten, cleanen Dresscode. Im Schliengener Kirchberg Chasselas «LE CLOCHER» VDP.Erste Lage geben sich Birne, weißer Pfirsich, Lindenblüte, Sellerie, Koriander, kalkige und hefige Noten die Klinke in die Hand.

Weingut blankenhorn Gutedel Tasting

Weingut Blankenhorn Schliengener Kirchberg Chasselas «LE CLOCHER» VDP.Erste Lage® trocken, Preis: 22,50 Euro, über shop.weingut-blankenhorn.de



Mein Sommer mit Gutedel – klingt wie ein Spin-off von Bibi Blockberg oder so ein ZDF Romantik Movie, war für mich aber ein moderner Drei-Teiler mit Twist. Die Rebsorte bekommt im Weingut Blankenhorn Dresscodes aus dem Keller-Kleiderschrank herausgelegt, die ihre Personality classy, aber zugänglich unterstreichen. Und bisschen wie MacGyver für jeden Einschenk-Anlass und jede Stimmung etwas parat haben.


Weingut blankenhorn Gutedel Tasting

Bringt alles mit, sommerliche Terrassen-Dates zu rocken, zu untermalen, oder stilvoll ausklingen zu lassen: Das fertig zusammengestelltes Weingut Blankenhorn Gutedel Paket (43€), von easy drinking bis zum Tiefgang-Abenteuer.


Mich haben die Weißweine gerade auch durch ihre Nonchalance begeistert. Wissen, was man drauf hat, es aber nicht jedem lautstark unter die Nase schmieren. Und auch mal Dinge mit Bauchgefühl und Humor regeln. Mit diesen Attributen hat sich das Weingut Blankenhorn Gutedel Trio echt Eindruck verschafft – und gleichzeitig neugierig gemacht, wie das Weingut diese Handschrift auf andere Rebsorten überträgt.

Weingut Blankenhorn Gutedel Paket, Preis: 43 Euro, via shop.weingut-blankenhorn.de


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Baden und Ortenau Brennereien: auf Spirituosen-Schatzsuche

Baden und Ortenau Brennereien: auf Spirituosen-Schatzsuche

Was mich brennend interessiert… ist gebranntes Handwerk für die Hausbar. Klicks oder Likes kann ich nicht schmecken – gute Edelbrände und gebrannte Spirituosen aber halt schon. Und meine neue Heimat ist ein Zentrum der Obstbrenner – aber auch anderen Edelbrand-Spezialitäten wird Handwerk gewidmet. Ich gehe neugierig auf Spirituosen-Schatzsuche bei den Baden und Ortenau Brennereien.


Für guten Handwerks-Genuss brenne ich. Einer der ältesten Artikel mit regelmäßigem Update auf dem Blog: meine Hausbar-Spirituosen Liste.  Ich bin in Franken damit aufgewachsen – schöner Edelbrand oder Geist nach dem Essen. Ein bewusstes Gläschen. Nix zum weginhalieren. Das wurde immer zelebriert. Und meine neue Heimat Schwarzwald beziehungsweise genauer die Ortenau (Klick – meine Genuss-Entdeckungen in der Ortenau) ist eine Hochburg an Brennereien mit langer Tradition.

Im Schwarzwald feiert die Maische in Kupferkesseln durch wie die Raver im Berliner Berghain. Die Region ist ein Zentrum der Obstbrenner: Von rund 16.000 aktiven Brennereien in ganz Süddeutschland liegen nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Klein- und Obstbrenner allein 12.000 in Baden-Württemberg – und davon wiederum 8.000 in Baden. In meiner neuen Heimat, dem Ortenaukreis, schreibt man sich die höchste Brennereidichte in ganz Deutschland auf die, Achtung. Fahne.

Alleine im Nachbarort Oberkirch gibt’s rund 800 Hausbar-Brandschutzbeauftragte.


suntory yamazaki whisky gentlemens journey

Immer der Nase nach: Ich bin stets auf der Suche nach neuen Spirituosen-Abenteuern – für die brenne ich.


Für mich sind Edelbrände mehr als Schnaps oder Magenaufräumer. Sie sind Aromen-Abenteuer, Obstsalate für Entdecker, gebrannte Expeditionen für die Mandeln. Sie sind Handwerk, Fingerspitzengefühl für Flavour. Genussmittel und: Teil der regionalen Kultur.

Social Reichweite ist mir egal. Klicks oder Likes kann ich nicht schmecken – gute Edelbrände und gebrannte Spirituosen aber halt schon. Und gute Brände gehören in meiner alten und neuen Heimat eben auch zum sozialen Miteinander dazu. Als gemeinsame Entdeckungen, aber auch Wertschätzung. Obs jetzt der eisgekühlte Bommerlunder ist oder ein limitierter Brand aus bei Mondschein gepflückten Vogelbeeren: wie auch bei Wein wird der Brand hier zum Soundtrack von Momenten.

Mein Ziel: die neue Region erkunden, traditionsreiches Handwerk und die Stories dahinter entdecken und eine Hausbar mit gebrannten Obstsalaten aufbauen. Hier schon mal eine Auswahl bisheriger Hausbar-Dates. Und ja: Ich hab ein Faible für Etiketten – ich achte auch bei Brenn-Ding auf Branding. Und wer eine Empfehlung hat in Sachen badische Brände, gern her damit. 




heidenhofbrennerei bassler kappelrodeck oberer heidenhof

Kommen wir mal ohne Umwege zum Punkt: Das hier war Verliebung auf den ersten Schnupperer und Schluck. Alle mittlerweile 5 probierten Destillate der Oberen Heidenhofbrennerei der Familie Ursula Baßler haben eine unfassbar feine, fast grazil-charmant-elegante Handschrift, die aber immer auch so schön bodenständig bleibt. Liegt vielleicht an der Erfahrung. Den traditionellen landwirtschaftlichen Betrieb mit einer Obstbrennerei gibts seit anno 1835. Gebrannt werden Klassiker wie das Schwarzwälder Kirschwasser oder Topinambur, aber auch ein Brandy ist im Portfolio oder eigene Kräuter-Ansätze – mein heimliches Highlight hier inklusive.


heidenhofbrennerei bassler kappelrodeck oberer heidenhof

Eine meiner Entdeckungen für den Sommer: Blutwurz mit Apfelbrand. Kräuterig-herb, aber gleichzeitig ungewöhnlich, süffig-süß, ganz eigener Charakter.


Alle Kräuteransätze, die die Brennerin selbst herstellt, sind ausschließlich aus der Frucht, Blüte oder Wurzel gewonnen. Das Ding hier ist eine zarte, freche Liaison aus herb und süß, aber nicht so klebrig wie Liköre gerne mal sind. Viel feiner, viel geschmeidiger, nicht dropsig, sondern weich, und irgendwie wuselig-wurzelig. Geht auch super auf Eis, empfehle es aber als Aperitif pur.

Blutwurz mit Apfelbrand, Preis: 14 Euro, über www.heidenhofbrennerei.de


Brombeerbrand ist eine der Spezialitäten der Oberen Heidenhofbrennerei in Kappelrodeck. Kann ich so unterschreiben – was für genüssliche Feingeister.

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Erinnert mich an Kindheit bei Oma im Garten. An einer Mauer hinterm Haus wuchsen Brombeeren. Und auch hier wieder die filigrane Handschrift. Das ist alles super fein, grazil, elegant, ohne nach Aufmerksamkeit zu schreien. Seidig, smooth, wie ein feinsinniger Ohrwurm, galant, aber lässig. So beschwingt. Beschwingt grazil.

Schwarzwälder Brombeerbrand, Preis: 29 Euro, über www.heidenhofbrennerei.de


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Der Topinambur auch Rossler genannt, ist eine badische Spezialität. Es wird ihm unterstellt, dass er den Magen reinlichst aufräumt. Es ist eine Wurzelknolle, die erst nach dem Frost geerntet wird. Der Geschmack leicht erdig, nussig bis hin zu zarten Frucht-Nuancen.


War beim Familien-Tasting der heimliche Favorit – auch des überraschenden Kontrasts wegen. In der Nase: Erdig. Wurzel. Das schreit: Verdauung. Im Geschmack aber: Ganz weich. Herb-fruchtig. Wie smooth bitte? Wie charming? Kartoffelschale trifft Zitrone. Nix für Einsteiger, aber neugierige Entdecker werden hier auf Kosten kommen.

Schwarzwälder Topinambur, Preis: 15 Euro, über www.heidenhofbrennerei.de




Theo Künstel Edelbrand Kappelrodeck-Waldulm

Kappelrodeck und Waldulm sind ein Abenteuerspielplatz für Genusswanderer- im doppelten Sinn. Die Weinberge sind Bilderbuchmotiv, und alles dreht sich ums genüssliche Füllen von Gläsern. Mit Wein – aber eben auch hochprozentiges. Eine dieser Ortenau Brennereien, die mich vom ersten Tasting an gecatcht haben, war Theo Künstel. Ja: Auch weil die Flakons an Duftwasser erinnern, aber eben weil der Inhalt so elegant wie ausgereift daherkam. Sopisticated, aber bodenständig – jeder Schluck eine spannende Aromenreise, mal leiser, mal lauter.


Theo Künstel Edelbrand Kappelrodeck-Waldulm

Ein Dreierpack für die Hausbar, der die Neugier zum Lächeln brachte: Brand von der Gewürzbirne, Kirschwasser im Bourbonfass gereift, Mirabelle im Sherryfass gereift.


So waren der Brand von der Gewürzbirne, Kirschwasser im Bourbonfass gereift oder Mirabelle im Sherryfass gereift richtig facettenreich, ganz eigene Typen im Glas. Wobei das herb-süßliche Ping-Pong von Mirabelle und Sherry schon echt flirty war. Preis und Leistung stimmen hier wirklich überein.

Theo Künstel Edelbrände, via www.theo-kuenstel.de/shop



Die Aussicht vom Löcherhansenhof in Bad Peterstal-Griesbach ist schon cool (eine der Ortenau Brennereien, die schön hoch liegen) – und auch die Brenn-Spezialitäten für die Hausbar können sich sehen lassen. Die besondere Leidenschaft von Edelbrandsommelière Verena gehört dem Obstbau und dem Brennen von hauseigenen Likören und Obstbränden. 


Brennerei Löcherhansenhof Bad Peterstal-Griesbach

Im kleinen Laden im Löcherhansenhof in Bad Peterstal-Griesbach kann man probieren und shoppen.


War besonders in der kühlen Jahreszeit wie ein kleines, charming Lagerfeuer im Glas: der Winterprinzen-Apfel-Brand vom Löcherhansenhof.

Brennerei Löcherhansenhof Bad Peterstal-Griesbach

Die Auswahl reicht von klassischem Kirschwasser bis zum regionalen Topinambur – eine kräuterig-herbe Angelehgenheit, die mal so richtig aufräumt, aber gleichzeitig auf eine eigene Art neugierig macht. Auch hier waren alle probierten Brände gezeichnet von einer ehrlichen, bodenständigen Handschrift ohne Allüren, sehr charming, und besonders auch Einsteigerfreundlich. Meine Entdeckung: Ein Kirsch-Johannisbeer-Likör, der als Topping für Vanilleeis mal so richtig Feuer entffacht.




Hat die ganze Familien-Jury durch die Bank weg charmant begeistert: der Williams Gold vom Kapelleck-Hof in Durbach.


Brennerei Kapelleck Hof Durbach

Reden ist Silber – aber ob Schweigen über den Williams Gold ist, muss jeder Hausbar-Fan selbst probieren.


Zum ersten Mal probiert im Hotel-Restaurant Kallikut in der Ortenau (dort kann man den Brand auch erwerben). Schwiegermutters Liebling klingt altbacken, und vielleicht muss man ja eben nicht immer das Rad neu erfinden wollen, wenns um gebranntes Handwerk geht. aber das hier war einfach ein bodenständig-weicher, ehrlicher Birnen-Salat mit leicht lieblichem Touch, der Zwischendurch auch mal sein darf.

Williams Gold Birnenbrand, Kapelleck-Hof Durbach, ab 13 Euro, mehr unter kapelleck-hof.de



Gebranntes als Durstlöscher? Die Nase schnuppert grade im Sommer besonders neugierig für die Hausbar.



Seit 1930 werden im Familien-Betrieb Früchte zu Destillaten gebrannt – heute ist Philipp der Brandschutzbeauftragte bei Wein Obst Reiss. Für ihn sind die Spirituosen ein ehrliches Produkt, die die Arbeit und Leidenschaft der Winzer widerspiegeln. Was ihn reizt? Die Vielfalt an Aromen, die sich im Wein entwickeln können, und immer wieder auf eine Entdeckungsreise einladen. Dabei gilt das nicht nur für Wein – denn mit einem seiner Ideen geht seine Reise mal kurz von Baden Baden und der Ortenau (Klick – meine Ortenau Genuss-Spots) ein paar Flugmeilen weiter nach Portugal, genauer gesagt: nach Porto. Die Stadt am Douro ist eh eine meiner Verliebungs-Destinationen (Klick – meine Porto Food Spots) – und berühmt für, logo: Portwein. 


wein obst reiss apfel port baden baden ortenau

Portwein-Style trifft Sherry mit Äpfeln aus der Ortenau: ein charakterstarker Flirt für die Hausbar!


Und genau diesen Style hat Philipp mit Äpfeln aus eigenem Anbau einfach mal gemixt. Das Ergebnis: für mich ein unique-anziehender Charakterkopf-Aperitivo für rund 20 Euro nicht nur für den Sommer. Der gebrannte Obstsalat heizt auch Herbst und Winter classy ein. Die Reifung erfolgt im gebrauchten Sherryfass (Klick: Kennt ihr schon Portugal-Weine aus der Amphore?) und verleiht dem Apfelport eine spannende Tiefe und Komplexität, die ihn von anderen Obstlikörweinen abhebt. Mithilfe eigenen Apfeldestillates wird der frisch-fruchtige Apfelwein der Basis in der alkoholischen Gärung unterbrochen. Durch den hohen Alkoholgehalt sterben die Hefen ab und die Süße bleibt erhalten.


Spielt seine Talente am sommerlichen Pool wie vor dem winterlichen Kamin aus: Der Apfel Port von Wein Obst Reiss ist ein super charming wie ungewöhnlicher Hausbar-Flirt.

wein obst reiss apfel port 1

Durch den Work & Travel-Aufenthalt in Sherryfässern erhält der Apfel-Port feine Aromen von Trockenfrüchten, Nüssen und einem Hauch von Karamell. Oder an was es mich erinnert hat? Eine yummy Apfel Tarte Tatin mit in Rum und Sherry eingelegten Rosinen. Tipp: Wer zwischendurch mal Luft in die Flasche lässt oder einen Tag im Kühlschrank gönnt, lässt noch mehr Würze und Tiefe in diesen Spirituosen-Geheimtipp ziehen. Der kommt übrigens am Besten mit einem Eiswürfel im Glas, was nochmal für einen kleinen Kick sorgt.

Apfel-Port, Wein- und Obsthof Reiss, auf Bestellung über weinundobst-reiss.de



Sieht aus wie Whisky, Whisky ist auch im Spiel – aber bei dieser badischen Spirituose zündet Mirabelle die Lampen an.


Ortenau Brennereien

Wenn man Philipp Reiss‘ Apfel Port probiert hat, konnte man ahnen, dass auch bei der Mirabelle guter Twist mit Charme aufgelegt wird.


Als ob Mirabellen den BBQ Smoker mit der Tanzfläche verwechselt haben und mit rauchigem Whisky glasiert wurden. Wow. Zugleich süffisant sexy und zurückhaltend elegant. Sowas hab ich noch nicht gerochen – ganz eigener Charakter. Erster Schluck: kernig. Markant, rauchiger Dresscode. Innen flauschiges Mirabellen-Strickpolo, außen rustikales Tweed-Jacket. Beide Parteien – Obst und Whisky –halten sich die Waage. Ja: eigen, muss man schon drauf einlassen. Aber grade deswegen cool – weil Whisky-Fans, die neu bei Edelbränden sind, kriegen auf jeden Fall ihren Smoke. Und Edelbrand-Ultras die vielleicht noch schüchtern sind bei Whisky, entdecken hier noch eine neue Seite.

Und nein, trotz Ortenau Brennereien, hier brennt nichts (an). In dem Moment, in dem der Whisky beim Temperament durchdrehen könnte, legt die Mirabelle charmant kuschlig den Arm darum. Eine badische Spirituose, die sich echt in keine Schublade packen lässt, und deswegen wohltuend heraussticht.

Mirabelle x Whisky, Wein- und Obsthof Reiss, auf Bestellung über weinundobst-reiss.de




Weinbrandlikör Heinrichswerk, Destillerie Heinrich, Ortenau

Smoothes Handwerk, das Spaß im Glas macht – auch für Wein-Einsteiger: der Weinbrandlikör Heinrichswerk von der Destillerie Heinrich.


Wie man Familien-Traditionen interpretiert? Bei uns ist eine durch mein Hobby entstandene: Ich spiele, besonders auf Reisen, immer bisschen Hausbar-Indiana-Jones und suche nach Wein-, Bier-, Edelbrand- und Co-Entdeckungen, die ich dann der Family vorstelle. Direkt für etwas langfristiges abgesegnet wurde dieser Weinbrandlikör vom Rande des Schwarzwaldes. Seit über 150 Jahren wird bei der Destillerei Heinrich in der Ortenau gebrannt, und das schmeckt man.


Zurücklehnen und mit jedem Schluck auf ein gebranntes Wein-Abenteuerchen in den Schwarzwald gehen: Mich hat der Weinbrandlikör Heinrichswerk echt überzeugt.

Weinbrandlikör Heinrichswerk, Destillerie Heinrich, Ortenau

Ich bin echt kein Fan von Likören – mir oft zu süß und klebrig. Wenn auf dem Heinrichswerk aber was klebt, dann das Etikett Genussabenteuer. Ausgesuchte, vollreife Rieslingtrauben werden nach der Destillation für mindestens 5 Jahre im Fass zur sensorischen Abrundung gelagert und anschließend zum Likör weiterverarbeitet. Sehr classy, geradlinig, nicht zu schwer und hintenraus scheint der Wein beeindruckend durch wie Gandalf beim ersten Licht des fünften Tages  in Helms Klamm. Meinen Eltern hat das erste Likör-Date so gefallen, dass direkt eine nächste Flaschenpost geordert wurde. Und die Jury ist mittlerweile echt im besten Sinne anspruchsvoll. 

Weinbrandlikör Heinrichswerk, Destillerie Heinrich, Preis: 32 Euro, direkt über heinrichs-destillerie.de




Spitzbuckel Brauerei Hopfengeist

Spannendes nicht nur von den Ortenau Brennereien – sondern auch Brauereien! Im Hopfengeist von Spitzbuckel geben sich die Aromahopfensorten Cascade, Callisto, Perle und Mandarina Bavaria die Klinke in die Hand.


Schwarzwald mal komplett anders im Glas. Als kleines Tasting-Abenteuer für meinen Bierbrauer & Biersommelier-Dad war dieser Hopfengeist natürlich ein doppelter Spaß. Edelbrand, und dann noch mit Bier. Ins Glas kommt eine fein abgestimmte Cuvée aus den Aromahopfensorten Cascade, Callisto, Perle und Mandarina Bavaria. Handwerklich traditionell in kleiner Brennblase destilliert. Tipp: Im Glas erst mal atmen lassen, braucht etwas Luft. Dann klettert der Hopfen freudig auf die Bühne. Sehr frisch, geht Richtung Zitronengras – ein schöner Kickstarter als Aperitif auf der Terrasse.

Spitzbuckel Brauerei Hopfengeist Laufer Essenz, Preis: ab 21,90 Euro, über spitzbuckel.beer



Boar Distillery Bad Peterstal-Griesbach

Ortenau Brennereien können mit – aber auch ohne – Drehzahl destillieren, wie hier die Boar Distillery in Bad Peterstal-Griesbach.



Dass im Schwarzwald mehr feines (selbst)gebrannt wird als früher auf CD, wusste ich. Über 8000 Brennereien gibt es in Baden, davon rund 7000 in der Ortenau. Noch ein Grund mehr, mal Oberkirch oder hier Bad Peterstal-Griesbach abzuchecken. Dort hab ich in einer Destillerie eine alkoholfreie Spirituose entdeckt, die als Sour-Variante echt mit das Hausbar-Highlight des Sommers für mich war. Ja: ich bin auch mal ohne Umdrehungen unterwegs, und hab als Gasgeber gerne wie MacGyver immer was parat.  


Boar Zero Boar distillery

Ohne Alkohol, ohne Konservierungsstoffe, ohne künstliche Aromen, ohne Zucker und ohne Kalorien: Boar Zero ist quasi ein Hausbar-Update mit gutem Gewissen.


Gerade in Kombination als Sour Variante kommen die waldigen Noten des Boar Zero cool zur Geltung.

Boar Zero Boar distillery

Hergestellt wird BOAR Zero aus 19 Botanicals und natürlichen Quellwasser aus der hofeigenen Schwarzwaldquelle – und jetzt stellt auch so eine Teleshopping-Typ-Stimme vor: ohne Konservierungsstoffe, ohne künstliche Aromen, ohne Zucker und ohne Kalorien. Päm. Wacholder ist am Start, dazu Thymian, Lavendel und Zitrus- und Koriandertöne. Pur bleibt es bissl blass wie die Adams Family – aber mixen hilft. Der Hersteller gibt zwar den naheliegenden Tipp mit Tonic, ich fands mit süß-sauer Touch hatte es aber mehr crispyness. Das Rezept pro Drink: 6cl Zero, 1,5 Rohrzuckersirup, 3cl frischer Zitronensaft. 

In der Kombi kommt der waldige Vibe des Boar Zero zur Geltung wie auf einem Catwalk. Kleiner Haken: die 25€ Flasche ist dann schnell leer. Aber wenn’s schmeckt, muss man Zero schlechtes Gewissen mit dem Konto haben. 

BOAR Zero, Preis: rund 25 Euro, mehr unter boargin.de/shop


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