Neuentdeckung vom Kaiserstuhl: Heidis Heaven, erst 2023 gestartet, ist quasi eine Wein-Manufaktur mit Liebe zum Handwerk, Neugier und Lust auf Experimentieren. Wie das schmeckt? Ich hab mal in Heidis Heaven Weine reinprobiert.

Wer immer nur mehr will, soll an die Nordsee fahren. Verzeiht den kleinen Wortwitz, aber ist doch so: Manchmal kommt etwas viel besser zur Geltung, wenn drumherum aufgeräumt ist. Das gilt für Möbel oder Deko in der Wohnung wie halt besonders auch Genussmittel wie Weine. Und das sieht auch Heidi so, die für ihre Heidis Heaven Weine eine klare Taktik hat. In der Vinifizierung lautet das Motto: weniger ist mehr. Die Trauben bestimmen den Wein, der daraus entsteht. Der Most wird nicht geklärt, die Weine werden nicht geschönt oder filtriert. Heidi arbeitet mit Spontangärungen aber auch Reinzuchthefen, wenn förderlich eine Gabe an Weinsäure und vor der Füllung ein Minimum an Schwefel. Es wird nicht mit einer Temperaturregulierung interveniert, für alle anderen Schritte bekommt der Wein Zeit. Die nimmt sich auch Heidi weil sie quasi mit ihren Weinen reift. Da gibt es mittlerweile viele neue – oder alte – Ansichten – kennt ihr beispielsweise schon Wein aus Amphoren? Ich hab hier mal 3 Portugal-Weine aus dem Ton-Gefäß probiert – Klick.


Kunterbunte Ausprobierung statt Einheitsbrei: das sind die Heidis Heaven Weine vom Kaiserstuhl
In Oberbergen am Kaiserstuhl hat Heidi sich mit Heidis Heaven den Traum vom Weingut und Weinmachen erfüllt. Und steht noch am Anfang ihrer Journey – die erst 2023 begann. No risk, no fun, warum warten, wenns einfach in den Fingern kribbelt? Heidis Heaven ist quasi Herzensprojekt und Bastelstube, eine Wein-Manufaktur am Kaiserstuhl mit Liebe zum Handwerk, Neugier und Lust auf Experimentieren. Die Weine werden nicht umgestylt, sondern dürfen ungeschminkt zeigen, wo sie herkommen. Ich hab reinprobiert, und kann sagen: Authentisch, ausprobierend, mit Ecken und Kanten, vor allem aber – einer Handschrift. Eine unaufgeregte Eleganz, gleichzeitig relaxt, aber mit ganz feinen, humorvollen, grazilen Twists.
Dynamisches Duo: Ich habe von Heidis Heaven Weißweine den Chardonnay und einen Chardonnay PetNat probiert.


Heidis Heaven Chardonnay PetNat tickling pleasure

Heidis Heaven Chardonnay PetNat tickling pleasure. Oder kurz: ein knisternder Kurztrip in den Zitronen-Zirkus.
Heidis Heaven Weine dürfen ungeschminkt zeigen, wo sie herkommen. Wie der Chardonnay PetNat tickling pleasure, der erste Obstsalat von Heidi, den ich probiert habe. Der liegt mit rund 30 Euro nicht direkt im Einsteigerregal, aber gutes Prickel-Handwerk darf seinen Preis haben. Man muss sich einfach auch drauf einlassen. Vorsicht: Das Ding hatte jeglichen Elan unter dem Kronenkorken, den ich damals bei Mathematik gebraucht hätte. Sprudelt los wie ein F1 Auto, bei dem der Fahrer nach dem Start merkt, er muss auf Klo. In der Nase leicht neblig, fühlt sich an wie ein Obstkorb mit Stachelbeere, Apfel, Kiwi oder Tomatillos, der auf einer Weinbergbank chillt. Würd ich mir auch als Duft aufsprühen. Super charmant.
Hat etwas hypnotisierendes. Wer sich einlässt, geht auf eine tasty Reise im Glas, die neugierig macht auf mehr.

Auf der Zunge geht’s dann vom Kaiserstuhl gefühlt in einen Zitronenhain an der Amalfiküste. Ganz feine Perlage, tänzelt super lässig, aber motiviert, wie eine Fanta Deluxe mit Sprudelmix aus Zitrone, Limette, Bergamotte – aber mit so einer ruhigen, fast humorvollen Handschrift. Signature Style ist ein „Blistern“, wie früher von Center Shocks, das sich flirty an den Gaumen klebt. Natürlich ist das schon ein gewisses Reise-Budget im Glas, grade für Anfänger. Aber wer sich darauf einlässt, entdeckt mit jedem Schluck etwas Neues, lernt dazu, schmeckt, wie Wein abseits vom Supermarkt tatsächlich schmecken kann – eine tasty Reise im Glas, die neugierig macht auf mehr. Diese Zitrusreise ist Urlaub im Glas – Sommerfrische pur. Zur Not auch im Herbst.
Chardonnay petnat tickling pleausure 2024, Preis: rund 27 Euro, über shop.heidis-heaven.com

Heidis Heaven Chardonnay all in
Im Vergleich zum Chardonnay PetNat „tickling pleasure“, der eine prickelnde Zitrus-Party auf den Dandefloor legt mit einem Elan wie die Gummibärenbande, ist der ebenfalls ungeschminkt und unfiltriert in die Flasche gebrachte Chardonnay ein relaxt zurückgelehnter Sofa-Terrassen-Flanierer, ruhig, ausgeglichen. Liegt vielleicht an der Ruhe bei der Herstellung. Voller Einsatz und volle Trauben, die ganzen Trauben wurden dabei auf der Korbpresse abgepresst. Dann im Edelstahltank mit Reinzuchthefe vergoren und 10 Monate auf der Feinhefe im Edelstahltank ausgebaut. Unfiltriert abgefüllt.

Ein Kaiserstuhl-Chardonnay als relaxt zurückgelehnter Sofa-Terrassen-Flanierer.
Der Chardonnay hat ein ganz eigenes Muster. Ist stiller, introvertierter – aber immer mit Tiefgang und dieser Prise Humor, nicht alles zu ernst zu nehmen.

In der Nase zwiebelt ein Mix aus brauner Butter, Honig, Croissant, tief, erdig. Sehr sophisticated, cruist der „All in“ cremig, smooth und grazil über den Gaumen. Aber mit Temperament, dass unter der Oberfläche wartet. Saftig, herb, erwachsen – geradlinig, aber iwie immer mit feinen Twists. Wer sich einlässt, kann was entdecken.
Chardonnay All in 2023, Preis: rund 24,90 Euro, über shop.heidis-heaven.com


Die kalte Jahreszeit ist natürlich perfekt, um auf Rotwein-Safari zu gehen – und auch da hat Heidi’s Heaven charmante Abenteuer im Angebot.
Heidi’s Heaven Pinot Noir „ganz einfach“
Der Pinot Noir “ganz einfach” macht seinem Namen alle Ehre, konterkariert das aber mit einem alles andere als einfachen, sondern komplexen Handarbeits-Level. Es ist zwar der „Einsteiger“-Pinot, legt aber die Messlatte gleich sehr hoch.
Der Spätburgunder wurde konsequent, ohne jegliche Intervention vinifiziert. Die Trauben abgebeert, die daraus entstehende Maische in einem nach oben offenen Stahltank mit Reinzuchthefe vergoren. Dann sanft auf der manuellen Korbpresse nach der Gärung abgepresst, im Stahltank für 10 Monate auf der Feinhefe ausgebaut und unfiltriert abgefüllt. Mal in meine Buchstabensuppe übersetzt: eine Saftkur mit Genuss. Tipp: Auch ein leichter Pinot Noir wie dieser entfaltet sich schneller, wenn man ihn dekantiert.

Ein Wein mit ganz eigenem Stil – aber Personality ist mir halt lieber als Einheitsbrei. Spätburgunder konsequent, ohne jegliche Intervention vinifiziert, oder: Pinot ganz einfach von Heidi’s Heaven.
In der Nase erinnert mich der “ganz einfach” von Heidi’s Heaven bisschen an mit Schwarzwälder Kirschwasser getränkten Mürbteig, hat was von einer flüssigen Praline, an der man so neugierig rumschnuppert. Das ganze wirkt kühl, duftet gleichzeitig aber auch nach Temperament und Sonne
Am Gaumen ist der feine Rotwein sehr klar, sofort super smooth, fast unerhört flauschig weich. Wow, wie purer Kirschsaft. Erinnert mich an die 30+ Version des Getränks KiBa.
Der Pinot Noir „ganz einfach“ von Heidi’s Heaven ist ein fast süffisant lässiger, super saftiger Charakterkopf – Pinot mal ganz anders. Auch so gehen Festtagsweine.

Super geschmeidige filigrane Säure. Ein Pinot, der einen umarmt, nicht nach Doktortitel fragt. Hat eine ebenso super nuancierte Würze, die über den Kirschfluss mitfliegt wie ein Paraglider. Ein fast süffisant lässiger saftiger Charakterkopf – Pinot mal ganz anders.
Liebenswert elegant, mehr Strickpolo als Anzug; kein Hitzkopf, eher bisschen wie ich: sagt zu Beginn nicht viel, schaut sich erstmal um, um dann, wenn niemand mit rechnet, einen kreativ fragwürdigen Wortwitz zu platzieren. Und eine feine Würze schwingt bei der Kirsch-Party immer mit. Auch etwas Wacholder, Piment oder kalter Früchtetee. Dieser Pinot Noir macht ganz einfach supersaftig gute Laune – wobei man als neugieriger Wein-Entdecker schon schmeckt, dass die Herstellung alles andere als ganz einfach vonstatten geht. Prädikat: Grinsekatzen-Alarm.
Heidi’s Heaven Pinot Noir „ganz einfach“, Preis: rund 19 Euro, über shop.heidis-heaven.com

Heidi’s Heaven Pinot Noir „Ménage à trois“
Der Name klingt natürlich nach flirty, sexy Gedankenspielen und mehr, nach verschlossenen Türen, heißen Nächten, kurzen Tagen, und irgendwie immer diesem kleinen spechtartig im Kopf pulsierenden Gedanken: Drei ist aber irgendwann immer einer zu viel. In der Liebe trifft das gerne zu, bei diesem Rotwein bleibt aber alles in Balance wie nach 20 Jahren Yoga. Da bin ich zwar talentfrei, aber recht begabt im Erkennen von Weinen mit besonderem Charakter – und ich spoiler mal ganz seriös: Dieser Pinot Noir hier von Heidi’s Heaven ist einer der most charming Pinot Noirs, die ich je getrunken habe.
Korken raus – und sofort räkeln sich anziehende Noten von Johannisbeere, Cassis und Schwarzkirsche auf dem imaginären Seidenlaken im Glas, dazu gesellt sich eine flirty Prise Whisky-Vibes. Vanillig, Dörrobst, eingelegte Pflaumen, feine Würze. Als ob ein Sonnenstrahl in alle Rottöne getaucht, wie ein Lächeln mit unter die Decke huscht, und alles wirkt so kuschelnd schwerelos.

Karo einfach? Nimm das mal drei! Ménage à trois steht hier für die Reifung – 14 Monate in 2 neuen und einem bereits belegten Barrique.
Flauschig, süffisant süffig, und dazu so eine augenzwinkernde Eleganz: Heidi’s Heaven Pinot Noir „Ménage à trois“ ist für mich einer der most charming Pinots, die ich je getrunken habe.

Und dann die ersten Küsse. Wie geschmeidige Marmelade auf Wolke 7 schwebend. Ein gleitender Flow, dazu so ein Augenzwinkern mit Cassis-Säure. Wow. Ohne Allüren, super classy, auch irgendwie ohne Hektik. Wie wenn man die gut gelaunte Gummibären-Bande in samtige Blazer steckt.
Wie flauschig will ein Pinot sein? Feine würzige Funken tanzen im Duett mit Cassis- und Schwarzkirsche-Säure. Da geht einem das Herz auf. Weil man schmeckt, dass da eine Handschrift mit Idee, an der lange gefeilt wurde, dahintersteckt. Kurz: Kein Wein, um eine Politik-Diskussion zu starten, sondern um genüsslich Erinnerungen aufleben zu lassen – und neue zu begleiten.
Heidi’s Heaven Pinot Noir „Ménage à trois“, Preis: 29 Euro, über shop.heidis-heaven.com

Fazit:

Gemeinsam mit schönen Weinen durchatmen macht doch am meisten Spaß, oder?
Mich reizen so Charakterkopf-Weine, die einen im Glas mit auf Abenteuer nehmen. Dabei ist mir bewusst, dass ich nicht jede Route, die die Wein-DJs dahinter sich ausgedacht haben, sofort erkenne oder begreife. Manchmal macht es erst nach einigen Schlücken Klick, oder – was auch cool ist, natürlich – man entdeckt im Verlauf der Flasche ganz neue Facetten, weil sich der Wein mit mehr Luft und Ausdauer noch verändert. Ich muss nicht alles wissen. Wein-Genuss ist keine Quizsendung. Es ist Abenteuer- oder Wellnessurlaub nach Feierabend. Und genau diese wohltuende Abwechslung vom Einheitsbrei packt Heidi mit ihren Weinen in die Flaschenpost. Mal lauter wie der PetNat, mal stiller, introvertierter wie mit dem Chardonnay – aber immer mit Tiefgang und dieser Prise Humor, nicht alles zu ernst zu nehmen. Dass das Handwerk ist und dementsprechend einfach auch ein bestimmtes Budget kosten muss: Sollte bewussten genießern bewusst sein.
Ich sage immer: Ich muss schon fairerweise drei Weine eines Weinguts probieren, um mir eine Meinung bilden zu dürfen. Und mit diesen vier kann ich sagen: Die Handschrift von Heidis Heaven ist genau mein Style, und ich kann nur empfehlen, ebenfalls mal einen Schnupperkurs ins Auge zu fassen.
