Unmaskiert maskiert: verstellen oder stellen?

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Corona-Zeit ist Maskenzeit und viele fragen sich: Wie lange noch? Dabei haben wir auch vorher schon Masken aufgesetzt – nur eben keine physisch greifbaren. Ohne es vielleicht immer zu merken. Mich eingeschlossen. Nur: Wie einfach ist denn das wieder abnehmen?


Batman, Spiderman, Zorro. Maske auf, Superheld. Die Identität geheim, die Wirkung für Außenstehende: mutig, furchtlos, stark. Okay, und einen Tick mysteriös. Ein Stück Stoff oder Hightech-Material als Schutzpanzer, um nicht preiszugeben, wer man ist. Doch auch Nicht-Superhelden verbiegen und verstellen sich ohne Degen-Duelle und verzerrte Stimme. Nur bleibt das für die meisten da draußen unsichtbar.

Viele jammern zur Zeit über das Aufsetzenmüssen von Masken. Dabei haben sie das vor Corona auch schon getan. Ganz egal, ob im Job oder im Privatleben – viel zu oft tragen wir die Maske der superlässigen, durch nichts erschütterbaren Real-Life-Cousins von Film-Helden.


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Man muss lernen, mit den Augen zu lächeln. Gibt aber leichteres. Mit oder ohne Maske.


Wer bin ich und wie viele?

So eine unsichtbare Maske ist praktisch. Es geht um Anerkennung, um Kontrolle, um nicht verletzt werden, oder nicht zu verletzen. Wir setzen sie auf, können uns hinter ihr verstecken, teilen Gedanken, Wünsche, Ängste oder ehrliche Meinungen nicht, aus Furcht davor, anzuecken, schwach zu wirken oder möglicherweise Konflikte austragen zu müssen, bei denen man die Anwesenheit und Auswirkungen von Emotionen nicht mehr leugnen kann.

Mal Hand aufs Herz: Wer hat sich nicht schon mal mit der “Ich-tu-so-als-obs-mir-nix-ausmacht”-Maske maskiert? Oder der Gleichgültigkeits-Maske? Der “Eigentlich-will-ich-dich-aber-Beziehung-kommt-im-Umfeld-nicht-so-gut”-Maske? Vielleicht mit der “Gefühle-abwesend”-Maske? Der “Eigentlich-mag-ich-sie-mehr-als-nur-freundschaftlich”-Maske? Doch die “Ich-lächle-einfach-alles-weg”-Maske? Oder der “Ich-sage-lieber-zu-als-ab-weil-ich-nicht-verletzen-will”-Maske?

Verkleidung macht keinen König. Oder die Königin

Nach Feierabend lang geplant was ausgemacht, nur plötzlich total müde und durch wegen des ungeplant stressigen Tages – oder spontan doch kein echtes Interesse mehr am Date heute Abend? Welche Maske darf es sein? Trotzdem gehen, obwohl man nicht bei der Sache ist? Lieber eine mehr oder minder kreative Ausrede erfinden, anstatt ehrlich zu sagen, was Sache ist? Weil man befürchtet es könnte den anderen verletzen oder einen selbst schlechter dastehen lassen? Ja, hab ich schon. Bin auch nicht stolz darauf. Null. Nur wie Anti-Superheldig das in dem Moment ist, wird einem erst bewusst, wenn man mal so genau drüber nachdenkt. Wenn. Und man schämt sich schneller als John Wick eine Pistole zieht.


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Natürlich stellt man sich die Frage: Sind wir wirklich so, wie wir uns sehen? Oder was haben wir vor anderen zu verbergen?


Und: Kann das gut gehen, wenn man statt vielleicht andere kurz zu belasten sich selber belastet? Spoiler: nein.

Vielleicht nehmen wir Entscheidungen oder Dinge, die uns an den Kopf geknallt werden scheinbar regungslos hin. Vielleicht folgt auf Kritik oder eine unschöne Wahrheit keine sichtbare Reaktion, keine erkennbare Mimik, die Einblicke in die Gefühlswelt darunter verschafft. Aber das heißt nicht, dass sie nicht da ist. Und das hält man mir schon gerne mal vor. Fairer Punkt, es kann ja niemand in mich reinschauen. Und ja, eigentlich ist es doch total menschlich, nicht 24/7 „cool“, „entspannt“ oder „taff“ zu wirken, um von anderen Menschen respektiert zu werden.


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© Gentlemens Journey

Das heißt jetzt bitte nicht, dass man alle Gedanken ungefiltert auf die Menschheit ballern sollte. Please. Aber Teile der eigenen Persönlichkeit (aus welchen Gründen auch immer) zurückzuhalten oder Dinge hinzunehmen, die eigentlich abstoßend sind, machen viel mit dem Selbstwertgefühl. Nur absolut nichts positives.


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Unmaskiert, unverkleidet. Die Persönlichkeit sollte man ohne Angst nach außen ausdrücken.


Sich stellen ist das bessere Verstellen

Und das ist der Punkt: Wir sind ohne Superhelden-Gesichts-Kostüm auch so gut genug. Klar, man hat immer Angst (Lest auch: was mir Angst macht) vor unbekanntem Terrain. Und sich darauf ohne Maske zu bewegen, beziehungsweise sich darauf einzulassen: immer ein Risiko. Erst recht wenn man wie ich Gefühle gern hinter drei Tonnen Stahl und Kugelsicherem Glas durch die Gegend fährt. Aber wenn man nicht ehrlich zu sich – und dann anderen ist – verbaut man sich vielleicht was. Dann liegt das Ziel auf einem Terrain, auf das man mit allen Masken der Welt nicht mehr hinkommt. Und den Fehler möchte ich nicht (mehr) machen.


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