Vermissung mit Schätzung

gentlemens journey look of the day meinung rollkragen

In der aktuellen Zeit wird öfter und mit Nachdruck kommuniziert, was einem alles fehlt. Teile ich auch teilweise, ich vermisse ebenfalls viele alltägliche Dinge – nur muss man sich auch bewusst sein, dass es nicht selbstverständlich ist, was wir da vermissen.


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Aktuell wird gefühlt so viel vermisst wie lange nicht mehr. Dabei geht’s aber nicht um verschwundene Socken, Elan am Montagmorgen oder verlegte Ladekabel, was schon ein echter Pain ist. Nein, hier sind es in erster Linie ja Dinge wie Feiern, Essen gehen und verreisen – also für die, die keine Geschäftstermine in Dubai vorschieben oder Impf-Schulungen createn können. Dinge, die den Alltag bereichert und oft auch davon abgelenkt haben. Begegnungen, kleine Belohnungen, kleine Erlebnisse auf dem Teller und große in neuen Regionen, Ländern oder sogar Kontinenten. Und klar, ich schließe mich beim Danachsehnen an.


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Möchte ich auch nicht mehr missen: die Daunenjacke, die mich seit Jahren begleitet.


Erlebnis oder Post-Material – was genau wird vermisst?

Ich hab die letzten Monate gar nichts erleben können hört oder liest man immer wieder, besonders in Social Media. Mich nervt, dass „erlebt haben“ so oft daran gemessen wird, ob man es posten konnte. Hat man den Moment nicht auf Instagram geteilt, hat er quasi nicht stattgefunden, keinen Wert gehabt. So ein Quatsch. Wenn ich Zeit mit meinen Nichten verbringe, oder der Family, leg ich das Handy doch mal Beiseite. Ich erlebe eben andere, neue Dinge. Wie beispielsweise kochen. Das kann man auch mit einer Person aus einem anderen Haushalt. Dann gibt es kulinarische Erlebnisse eben zu Hause, gereist wird übers Weinglas – anders ist nicht gleich schlechter, einfach das beste draus machen!

Und: Wie kann ich denn die Zeit genießen, wenn ich alles nur durch die Linse betrachte. Gehen diese Leute nur ins Restaurant, um was zeigen zu können? Um einen spannenden Lifestyle-Alltag beweisen zu können? Ist man nur cool, wenn man auch in Dubai, auf den Malediven oder Ibiza war? Sind Emirate oder bestimmte Insta-Pools jetzt die Markenklamotten von morgen?


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Lieblingslook mit Hoffnungsschimmer-Look.


Kleine als Große

Ich find die Entwicklung bedenklich. Immer ist das Smartphone an, alles wird gefilmt. Ich finds so cool zu sehen, wie meine Nichten durch den Garten oder Park toben, sich an Fußball versuchen – Displays jucken sie überhaupt nicht. Klar macht meine Schwester mal Beweisbilder – aber schießt davon nichts ins Netz. Sie als junge Family trifft die aktuelle Situation und der Lockdown viel härter als mich. Schwimmbäder waren das Lieblingsziel der Kleinen, ohne Kita spielen Oma, Opa und Co grade Staffellauf, und die Kondition ist lange überstrapaziert. Die Kleinen vermissen auch die Freunde aus dem Kindergarten, auch eine Kunst, ihnen die Lage verständlich zu erklären. Und eines ist auch klar: Bei dem, was wir vermissen – den Menschen hinter den uns fehlenden Dingen fehlt noch weitaus mehr. Die vermissen nicht nur Gäste und Kunden, sondern auch Rückhalt und Unterstützung von oben. Muss auch mal erwähnt werden.


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Vermisst wird auf dem Bild nur so langsam der Friseur. Ganz langsam.


Vermissung, dann Wertschätzung

Aber ich finde, dass man da trotzdem auf hohem Niveau vermisst. Denn selbst wenn alles wieder offen und möglich ist, wird vieles für Menschen da draußen weiterhin verschlossen und unmöglich bleiben, weil sie es sich schlichtweg nicht leisten können und mit dem Geld einen Monat Essen managen müssen, was wir für einen Restaurantbesuch ausgeben. Und wenn Personen des öffentlichen digitalen Lebens vom regelmäßigen Malediven-Urlaub erzählen als ob man mal schnell nach Österreich in eine Hütte fährt, nervt mich das einfach, weil die Wertschätzung und die Einordnung als Nicht-Selbstverständlich komplett flöten gegangen ist.

Das sind eben all diese vermissten Dinge: nicht selbstverständlich. Vielleicht erlebt es sich in naher Zukunft ja bewusster, wenn das erstrebenswerte nicht Kaviar, die Rolex oder ein Platz auf Love Island ist, sondern der Eintritt in die Bar oder das Wellnesshotel in Südtirol.

Wenn ich mich mit nem Käseauflauf und Wein dieses Jahr noch in eine Hütte verurlauben kann, würde ich das schon feiern. Mit Ladekabel und Socken oder ohne und gerne auch Montags.   

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