Keine Angst, Hase

Was mir Angst macht? Über Ängste zu sprechen. Aber man kann ja drüber schreiben.


Keinohrangsthase oder: Warum liket hier Stroh?

In Zeiten der Social Media Welt muss alles glänzen. Perfekt sein. Wenn etwas geteilt wird, dann bitte mit einem dicken Lächeln. Schöne heile Welt, positive Vibes. Alles wird geteilt. Das Frühstück, der Urlaub, die Shopping-Erfolge, die Couple-Goals, die immer gleichen Produkte, Lebensweisheiten von 20 jährigen Hobby-Models, 17 durch 4 und geklaute Zitate. Und Sorgen? Ja, auch die werden geteilt. Wenn man mal wieder nicht weiss, wie das neue Eigenheim eingerichtet werden soll, welches Outfit es werden darf oder ob die Pommes jetzt die Kalorien-Balance ins Schleudern bringen. Social Media macht echt manchmal Angst. Komisch nur, dass genau das Thema dort kaum stattfindet. Denn alles andere ohne Glitzer darf bitte draußen bleiben und vor der Upload-Tür spielen. Wieso eigentlich? Aus Angst? Weil das echte Leben weniger likable wäre? Was spricht dagegen, auch seine Ängste zu teilen? Klar: Wir tun uns ja teilweise schon schwer, die mit guten Freunden zu teilen. Überhaupt zuzugeben, dass wir Ängste haben. Um dann auch noch die letzte Zugbrücke fallen zu lassen,  und zu verraten, welche genau. Nein, Ängste und Blogs / Social Media gehen sich aus dem Weg wie der Wendler und guter Geschmack.

Was mir Angst macht? In erster Linie mal: über Ängste zu sprechen. Aber man kann ja drüber schreiben.

Kurz & schmerzlos: Was macht mir eigentlich Angst?

Angst hab ich vor ganz banalen Dingen. Präsentationen vor vielen Menschen zu halten. Frauen anzusprechen, auf die ich total stehe. Nicht vorteilhaft, I know.

Oftmals hab ich Angst, dass Menschen über mich lästern könnten. Es war für mich immer ein Horror, wenn ich ab der 5. Klasse in den Schulbus steigen musste. Auf dem Weg in die Stadt bin ich an meiner Dorf-Station meist allein eingestiegen – und unter 50 starrenden Augenpaaren dann meist keinen Platz mehr gefunden hab.

Ich hab Angst, bestimmte SMS abzuschicken. Und noch mehr Furcht, manche Nachrichten zu lesen. Weil die Ungewissheit, in der es gut oder schlecht enden kann, aber in der halt eben nichts entschieden ist, dann Endgültigkeit weicht.

Ich hab Angst davor, wenn ich auf wichtige Menschen nicht mehr zählen kann.

Ich hab Angst davor, wie es werden könnte, wenn ich älter bin und Dinge nicht mehr allein regeln kann.

Ich hab Angst, unbeabsichtigt Dinge zu sagen, die ich nicht wieder zurücknehmen kann.

© Gentlemens Journey

Ich hab Angst, mich unmerklich für Menschen zu verändern, und mich dabei selbst aufzugeben oder mich selbst dabei zu verlieren.

Ich hab Angst, zu versagen. Menschen zu enttäuschen, wenn es darauf ankommt. Wenn sie sich auf mich verlassen. Angst vor den Konsequenzen.

Ich hab Angst, Menschen von mir zu stoßen, weil ich meine Hände immer als Schutz vors Gesicht halte und keine Deckung preisgeben will.

Ich hab Angst, enttäuscht zu werden. Angst davor, Entscheidungen zu treffen, die das Risiko nicht belohnen. Angst davor, sich auf jemanden einzulassen. Und doppelt so viele neue Steine für eine doppelt so hohe neue Mauer suchen zu müssen.

Mutprobe mit Lerneffekt

Dabei bedeutet einen Fehler zu machen (Mehr zum Thema im Blogpost „Scheiterbildung“) und zu fallen nur, eine Möglichkeit gefunden zu haben, wie es nicht geht. Es ist nicht schlimm, etwas nicht richtig zu machen. Es ist nur schlimm, etwas gar nicht erst zu versuchen. Und erst wenn man sich das nicht mehr traut, ist es wirklich beängstigend.

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