Gegen Überjemandstellung

#Sorgenhotlinebling. Schön, schöner, aber auch: glücklich? Muss es mir immer besser gehen als anderen, damit es mir gut geht? Und wie definiert man dieses: besser?


Ich kann nicht mehr folgen.

In einem Artikel mit Tipps für mehr Reichweite in Social Media, über den ich vor Kurzem gestolpert bin, kam gleich zu Beginn ein echt trauriger Kopfschüttel-Ratschlag,

“Poste nur Bilder von besonders tollen (und glücklichen) Momenten. Menschen tendieren dazu, Leuten zu folgen, denen es besser geht als einem selbst. Die ein perfektes, schöneres Leben führen.”

Mal im Ernst: Was ein Scheiß. Wie soll das hilfreich sein? Das hilft eigentlich nur, um noch tiefer in diesen Vergleichs- und Zweifel-Strudel gezogen zu werden. Und man läuft echt Gefahr, das eigene Selbstwertgefühl richtig zu demolieren. Alles darf nur noch Superhappy-Glitzer-Glitzer sein? Das kann doch kein Trend sein. Ich trau mich ja ohne drei Kürbisse, vier Melonen und den Popcorneimer voll Erdbeeren schon gar nicht mehr irgendwo picknicken.

Ein Herz und keine Seele – wenns besser gehen soll, sollte man besser gehen

Sich in die heile bunte Bilderwelt zu flüchten, mag ablenken, ja. Aber auf Dauer tut das nicht gut. Und was kann man sich dann von roten Herzchen kaufen? Digital und offline gibt’s auch uncoole und schwache Momente. Aber die gehören nun mal zum Leben dazu. Nennt sich Realität.

Gute Besserung

Warum nur überpositive Momente posten? Oder darüber reden? Anders gefragt: Muss es mir immer besser gehen als anderen? Und was genau heißt: besser? Man sollte so leben, dass es einem selbst gut geht.

Man soll nach außen tragen, was man möchte, auch, wenn die Momente vielleicht schonungslos ehrlich sind. Oder man Schwäche zeigen würde.

© Gentlemens Journey

Über jemanden stellen? Unterste Schublade.

Wer sich nur gut fühlt, wenn es anderen schlechter geht, oder er andere schlecht macht, ist echt arm dran. Das gilt für Offline-Situationen genauso wie im Netz.

Was ich unsympathisch finde? Leute, die direkt in die Ubahn einsteigen müssen, ohne erstmal die drinnen raus zu lassen. (Fremde) Menschen, die dich anhand von Bildern be- und verurteilen. Keinen Humor zu haben. Rassisten. Aber so richtig unsympathisch ist es, wenn sich jemand über andere stellt. Weil er viele Master-Abschlüsse hat oder attraktiv ist, weil er viel Kohle hat oder viele Follower. Deswegen ist man noch lange kein besserer Mensch, und hat auch kein Recht, das Gegenüber zwei Klassen tiefer zu stellen. Von Insel zu Insel jetten, ein bestimmtes Kleidungsstück bekommen zu haben oder eine bestimmte (Follower-)Zahl auf einem Konto sehe ich nicht als Berechtigung an, mich oder irgendjemand da draußen von oben herab zu behandeln. Das Selbstbewusstsein, das diese Personen sich damit ergeiern, wollte ich auch nicht mit Schleife geschenkt bekommen.

Und mit dem Wissen, das sich aus Schwächephasen und grauen Matsch-Momenten echt positive Dinge entwickeln können, geht’s mir echt gut. Sollte man direkt ein Bild davon machen – wo hab ich nochmal mein Lächeln und die Erdbeeren hingelegt?

 

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